Wie Sie einem Kind mit arabischem Herkunft deutsche Laute beibringen

20.05.2016

Ihr Schüler aus arabischem Herkunftsland hat es nicht leicht, die deutsche Sprache zu lernen. Weltweit gehört diese zu den anspruchsvollsten. Es wird Ihnen leichter gelingen, Ihren Schüler beim deutschen Schriftspracherwerb zu unterstützen, wenn Sie die Besonderheiten, Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Laute beider Sprachen kennen und bei Übungen im Auge behalten.

Ihr Schüler, dessen Muttersprache nicht Deutsch, sondern eine arabische Sprache ist, weist besondere Lernvoraussetzungen auf. Seine Mundwerkzeuge haben von klein auf gelernt, bestimmte Laute zu bilden – andere sind ihm noch völlig fremd. Berücksichtigen Sie die vorhandenen Kenntnisse, aber auch Unterschiede zwischen der arabischen und deutschen Sprache, um Ihren Schüler passgenau zu fördern. Beachten Sie von vornherein die typischen Stolpersteine unserer Sprache, damit Ihr Schüler schneller zum Erfolg kommt.

Bringen Sie Schülern mit arabischer Herkunft zunächst gemeinsame Laute bei

Es gibt Laute im Deutschen, die auch die arabische Sprache aufweist. Diese sind für Ihren Schüler leichter zu erlernen und sollten den Ausgangspunkt Ihrer Übungen bilden.

Gemeinsame Vokal-Laute:

  • das lange a: malen
  • das kurze a: Affe
  • das lange u: Uhu
  • das kurze u: unten

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Üben Sie die deutschen Laute mit ihren arabischen Schülern

Laute, die in der arabischen Sprache nicht vorkommen, muss Ihr Schüler gesondert erlernen. Anders als bei Muttersprachlern sind die Mundwerkzeuge nicht darauf trainiert, den jeweiligen Laut zu bilden. Dabei braucht Ihr Schüler eine Menge Übung und ein gutes Sprachvorbild. In der arabischen Sprache kommen die meisten in der deutscher Sprache verwendeten Vokal-Laute nicht vor. Nicht vorhanden in der Form, wie wir es kennen ist:

  • das lange o: Opa
  • das kurze o: Sonne
  • das lange e: Esel
  • das kurze e: Ente
  • das unbetonte e: Katze
  • die Umlaute: ä, ö, ü, äu
  • die Diphthonge: eu, au, ei

Im Arabischen nicht vorhandene Konsonant-Laute:

Im Arabischen nicht vorhandene konstant-laute

Einzelne Laute können für Schüler arabischer Herkunft besonders schwierig sein

Für Ihren Schüler können einzelne Laute und Lautverbindungen der deutschen Sprache zur besonderen Herausforderung werden:

 

1. Der Schwa-Laut
Der sogenannte Schwa-Laut, der im Deutschen in unbetonten Silben vorkommen kann und für Ihren Schüler nur schlecht hörbar ist, unterscheidet sich optisch nicht von einem kurzen oder langen [e] bzw. [r].

Beispiel:

  • am Wortende: Sonne, Mode, Name (klingt wie ein sehr kurzes „ö“)
  • in Verbindung mit [n] am Wortende: Schatten, lachen, geben (klingt wie „Schattn“)
  • in Verbindung mit [r] am Wortende: Bruder, Leiter, Wasser (klingt wie „Bruda“)
  • bei [r] am Wortende: Bär (klingt wie „Bäa“)

 

2. Die Ähnlichkeit von /b/ und /p/

Da im Arabischen für beides nur ein Laut vorliegt, kann es bei der Aussprache Ihres Schülers hier zu Schwierigkeiten kommen. Helfen Sie ihm mit Übungen zur
Unterscheidung.

Beispiel: „B“ oder „P“

  •  __insel
  •  __ank
  •  __ilz
  •  __ild
  •  __aket
  •  __unkt
  •  __iene

 

3. Die Ähnlichkeit von /n/ und /ŋ/

Der /ŋ/- Laut ist im Deutschen etwas Außergewöhnliches und erfordert viel Übung von Ihrem Schüler. Sprechen Sie den Laut immer wieder sehr deutlich vor. Trainieren Sie mit Bildkarten und Handzeichen, wie den Kieler Lautgebärden zu einem festen Repertoire an Wörtern, die Sie immer wieder einsetzen.

Beispiele: Ring, Schmetterling, Angel, Zange, Zunge usw.

 

4. Die Doppelkonsonanten-Laute

Eine ganze Reihe von Lauten, die unsere deutsche Sprache bestimmen, sind für Ihren Schüler besonders schwer auszusprechen. Sie lassen von der Schreibweise her nicht erkennen, wie sie klingen:

  • Hexe klingt eigentlich wie „Hekse“
  • Fuchs klingt eigentlich wie „Fuks“
  • Qualle klingt eigentlich wie „Kwalle“
  • Holz klingt eigentlich wie „Holts“

Üben Sie auch diese Laute verstärkt mit Ihrem Schüler. Setzen Sie Signalwörter ein, die Ihr Schüler zuerst erlernt, wie z. B. Fuchs für -chs- und Hexe für -x-. Kann Ihr Schüler diese richtig schreiben, erweitern Sie den betreffenden Wortschatz (z. B. sechs, wechseln, Ochse, Axt, Lexikon usw.) und lassen Sie die Wörter dem Fuchs bzw. der Hexe zuordnen.

 

5. Die Mehrfachkonsonanten

Wenn mehrere Konsonanten in einem Wort aufeinandertreffen, kann Ihr Schüler dazu neigen, einen sogenannten Sprossvokal einzuschieben: statt „Sprung“ würde er dann „Schibrung“ artikulieren. Üben Sie die Verbindungen von „sch“, „st“ und „sp“ mit einem zusätzlichen Konsonant in besonderem Maß. Achten Sie dabei darauf, die verschiedenen Positionen im Wort zu berücksichtigen.

Beispiele: schlafen, schreiben, Sprachen, sprechen, springen, streiten usw.

 

6. Die fehlenden Umlaute „ö“ und „ü“

Als Muttersprachler haben wir ein besonders Gespür für die Unterscheidung von Laut zu Umlaut. Ihrem Schüler nicht-deutscher Muttersprache kann allein diese schon Schwierigkeiten bereiten. Es gilt zunächst das Gehör zu schulen. Dazu eignen sich einfache Silbenübungen:

  • mo – mö
  • so – sö
  • ko – kö
  • lo – lö

Sprechen Sie besonders deutlich.

Versuchen Sie den Schüler frühzeitig zum Mitsprechen anzuregen. Am besten gelingt Ihnen dies, wenn Sie anfangs mit einer kleinen und immer wiederkehrenden Auswahl an Silbenübungen arbeiten. Verhindern Sie so, dass Ihr Schüler ein -ö- durch ein -e- bzw. -ü- durch ein -i- ersetzt. Denn dabei kommt es zu Fehlern, die in unserer Sprache einen Bedeutungsunterschied mit sich bringen und so zu Kommunikationsproblemen führen können.

Beispiele:

  • kennen statt können
  • lesen statt lösen
  • liegen statt lügen

Fazit: Ihr Schüler arabischer Herkunft wird bessere Erfolge beim Erlernen der deutschen Sprache erzielen, wenn Sie die Unterschiede zur Muttersprache bereits bei der Vermittlung beachten.


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