So ermöglichen Sie Flüchtlingskindern einen optimalen Schulstart

18.05.2016

An vielen Schulen werden in diesen Tagen Flüchtlingskinder in die Klasse aufgenommen. Als Lehrkraft fragen Sie sich sicher, was für den 1. Tag des Kindes in der deutschen Schule wichtig ist und worauf Sie zu achten haben.

Wenn ein Flüchtlingskind in Ihre Klasse kommt, sollten Sie versuchen, dafür Rahmenbedingungen zu schaffen. Dafür müssen Sie nicht einmal einen großen Zeitaufwand betreiben, um ihm das Gefühl zu vermitteln, willkommen zu sein. Worauf genau Sie beim 1. Schultag achten müssen, zeigen Ihnen die folgenden 7 Schritte:

 

Schritt 1: Versetzen Sie sich in die Situation des Flüchtlingskindes

Wenn schon der 1. Schultag an einer neuen Schule für ein Kind im eigenen Land ein einschneidendes Erlebnis ist, wie muss sich dann erst ein Schüler fühlen, der völlig fremd ist? Sicherlich wird das Kind aufgeregt sein, vielleicht bringt es Angst, aber auch Vorfreude mit: Viele Flüchtlingskinder sehnen sich nach nichts mehr als nach der Normalität eines Schulbesuchs. Trotzdem kann es sich unsicher fühlen und aufgeregt sein. Gehen Sie freundlich auf das Kind zu, und heißen Sie es herzlich willkommen. Zeigen Sie sich sensibel, wenn es sich unsicher oder ungewöhnlich verhält.

 

Schritt 2: Bereiten Sie Ihre Klasse auf das Flüchtlingskind vor

Sprechen Sie mit Ihrer Klasse über die Aufnahme von Flüchtlingskindern. Sprechen Sie, ohne die Kinder zu erschrecken, über das Thema Flucht. Versuchen Sie, Ihre Schüler zu einem sensiblen Umgang mit den Flüchtlingskindern anzuregen. Sammeln Sie z. B. gemeinsam Ideen, was dem Kind helfen könnte, in die Klassengemeinschaft zu finden. Beispiel: Spiele in der Pause, bei denen jeder mitmachen kann.

 

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Schritt 3: Nehmen Sie die konkreten Ängste der Eltern des neuen Schülers wahr

Auch für die Eltern kann der 1. Schultag eine große Herausforderung sein. Vielleicht sind auch sie nervös, angespannt und haben Angst, weil sie nicht wissen, was sie und ihr Kind erwartet. In jedem Fall sollten Sie einen Übersetzer zur Seite stehen haben. Oft bietet sich ein Elternteil aus dem jeweiligen Land an, der schon länger in Deutschland lebt.

 

Schritt 4: Informieren Sie die Eltern des Flüchtlingskindes

In 1. Linie profitieren die Eltern davon, wenn Sie auf sie zugehen und ihnen erste wichtige Informationen vermitteln. Dazu gehört z. B.,

  • sich Kind und Eltern vorzustellen,
  • dem Kind und den Eltern das Klassenzimmer zu zeigen,
  • den Ablauf eines Schultags zu erklären.

 

Schritt 5: Vereinbaren Sie einen Termin mit den Eltern des Kindes

Setzen Sie ein zeitnahes Elterngespräch an. In diesem Rahmen können Sie die Erwartungen der Eltern an Sie als Lehrkraft, aber natürlich auch die von Ihnen definierten Pflichten der Eltern gegenüber der Schule besprechen.

Bedenken Sie, dass diese in verschiedenen Kulturkreisen äußerst unterschiedlich ausfallen können. Zwischen Tür und Angel ist dafür am 1. Tag keine Zeit. Nutzen Sie den Kontakt allerdings, um die Eltern persönlich zu dem Gespräch einzuladen.

 

Schritt 6: Geben Sie dem Flüchtlingskind Struktur vor

Sie tun dem Flüchtlingskind einen Gefallen, wenn Sie ihm nicht zu viel Verantwortung zukommen lassen – ganz besonders nicht am 1. Tag. Zeigen Sie dem Schüler seinen Platz, statt ihn aussuchen zu lassen. Geben Sie ihm Aktivitäten vor, statt ihn wählen zu lassen. Falls eine Traumatisierung
vorliegt, entlasten Sie Ihren Schüler dadurch, dass Sie ihm viel Struktur vorgeben. Zusätzlich kann es sein, dass Ihr Schüler aus einem Kulturkreis stammt, in dem Kinder grundsätzlich wenig zu entscheiden haben. Überfordern Sie Ihren neuen Schüler also nicht, sondern nehmen Sie ihm am 1. Schultag möglichst viele Entscheidungen ab.

 

Schritt 7: Teilen Sie dem Kind einen Paten innerhalb der Schule zu

Besprechen Sie im Vorfeld mit der Klasse, wer die Patenschaft für eines der Flüchtlingskinder übernehmen möchte. Bereiten Sie den Paten darauf vor, indem Sie ihm erklären, was seine Aufgaben sind. Prinzipiell sollte der Pate versuchen, trotz Sprachbarriere das Flüchtlingskind in alle unterrichtlichen Aktivitäten einzubeziehen.

Praxistipp: Wenn Ihnen der Aufnahmetermin bekannt ist, holen Sie das Kind und seine Eltern mit dem künftigen Paten des Schülers persönlich auf dem
Pausenhof oder am Schuleingang ab. So fühlt sich Ihr neuer Schüler ganz besonders willkommen.


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