Wie Sie spannende Projekttage mit Eltern organisieren

28.05.2016

Projektorientierter Unterricht ist an Berufsschulen mittlerweile Alltag. Die Schüler erweitern ihre Kompetenzen nicht mehr in Fächern, sondern in Lernfeldern. Der Lernzuwachs geschieht also in einem konkreten Anwendungszusammenhang. Die Schüler erwerben durch diese Arbeitsweise Schlüsselkompetenzen wie Selbstständigkeit, Teamfähigkeit und Verantwortungsbereitschaft.

Ermöglichen Sie dies auch Ihren Schülern von Zeit zu Zeit. Gerade das Schuljahresende bietet sich für das projektbezogene Lernen an. Vieles, was im Lauf des Jahres gelernt wurde, kann in einem fächerübergreifenden Projekt angewendet werden. Organisieren Sie dazu Projekttage. Nutzen Sie diese Gelegenheit, um auch die Eltern in schulische Aktivitäten einzubeziehen. Zum einen können Sie hier die Kooperation von Schule und Eltern besonders gut zeigen. Zum anderen bedeutet es für Sie Entlastung in einer Situation, die wegen der zeitweisen Auflösung der Klassenverbände oftmals unübersichtlich zu werden droht.

 

Die Zielsetzung der Projekttage mit den Eltern klären

Lassen Sie die Elternvertreter von Anfang an über die Zielsetzung der Projekttage mitreden und mitentscheiden. Wählen Sie ein Thema, das einen Bezug zum Unterricht hat und das alle Schüler betrifft, sodass Sie die Projekttage fach-, klassen- und jahrgangsübergreifend gestalten können. Dies kann ein eher fachlich orientiertes Thema, z. B. aus dem naturwissenschaftlichen Bereich wie „Wasser“, sein. Es kann aber auch stärker die Lebenswelt Ihrer Kinder betreffen, wenn es um Sucht- und Gewaltprävention geht. Stellen Sie sich bezüglich der Themenauswahl folgende Fragen:

  • Ist die soziale Kompetenz Ihrer Schüler verbesserungswürdig?
  • Wollen Sie Ihre Schüler besonders auf das Arbeitsleben vorbereiten?
  • Benötigen Ihre Schüler Nachhilfe in Sachen „Lernen lernen“?

 

 

Ein Projekt-Thema finden, das auch die Eltern betrifft

Am besten schlagen Sie ein Thema vor, das für die Schüler von großer Bedeutung und für beide Seiten der Erziehungspartnerschaft besonders wichtig ist, z. B. Gesundheit durch Ernährung und Bewegung. Die Zahlen übergewichtiger Kinder sprechen eine deutliche Sprache. Aus diesen Kindern werden übergewichtige Erwachsene mit frühen Gesundheitsschäden. Die Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten werden maßgeblich durch die Eltern gesteuert. So ist das Einbeziehen der Eltern in die Projekttage besonders sinnvoll. Denn alle in der Schule angeführten Beweise dafür, wie sinnvoll und wichtig gesunde Ernährung ist, fruchten nicht, wenn Eltern dies zu Hause nicht umsetzen. Umgekehrt können Sie durch Ihre Projekttage die Ambitionen von Eltern unterstützen, die ihr Kind gerne gesund ernähren wollen, aber sich gegen die kindlichen Pizza- und Hamburger-Wünsche nicht durchsetzen können.

 

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Steuergruppe aus Lehrern und Eltern für die Projektarbeit einrichten

Setzen Sie nach der Beschlussfassung durch Eltern und Lehrer ein Planungsteam für die Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung der Projekttage ein. Bitten Sie einen organisatorisch versierten Kollegen, der gleichzeitig viel Fingerspitzengefühl für die Zusammenarbeit im Team besitzt, sich als Projektleiter zur Verfügung zu stellen. Je nach Arbeitsbelastung kann dies auch Ihr Konrektor sein. Die Elternvertreter gehören selbstverständlich auch in dieses Team, bei älteren Schülern auch die Schülervertreter. Die Detailplanung kommt in einem kleineren Team mit bis zu 6 Personen rascher voran, als wenn ständig die Gesamtkonferenz beratschlagt. Regelmäßige Rückmeldegespräche mit der Schulleitung sichern, dass es nicht in die falsche Richtung geht. Auch das Kollegium muss laufend über den Planungsstand informiert und bei wichtigen Entscheidungen, wie etwa bei der Konzeptgestaltung, beteiligt werden. Damit fühlt es sich einbezogen und nicht bevormundet. Unterrichten Sie alle Eltern frühzeitig über die beabsichtigten Projekttage. Geben Sie z. B. über die Homepage Gelegenheit, den aktuellen Planungsstand zu verfolgen.

 

Ein inhaltliches Konzept für die Projekttage entwerfen

Einer der ersten Schritte ist, ein Konzept für Ihre Projekttage zu erstellen. Legen Sie den Inhalt fest und richten Sie daran die Organisation aus. Bitten Sie die Kollegen, Ideen für Ihre Gesundheitsprojekttage zusammenzustellen, z. B. Brot backen, ein gesundes Frühstück servieren oder einen Obstsalat zubereiten. Nachfolgend finden Sie einen Muster-Angebotskatalog mit vielen Ideen. Legen Sie dann an Ihre Sammlung Auswahlkriterien an, um die Ideenvielzahl auf ein machbares Maß zu reduzieren. Die einzelnen Werkstatt-Angebote sollen keine Bastelei oder lediglich mechanisch zu bewältigende Aufgabenstellungen sein. Vielmehr muss am Ende projektorientierten Arbeitens nach einer Planungs- und Organisationsphase ein Produkt stehen, das zum Schluss präsentiert wird. Das Projekt sollte von den Schülern möglichst selbstständig – am besten in Teams – bewältigt werden. So wird beim Angebot „Bist du fit?“ nicht nur ein Ausdauertraining angeboten.

Vielmehr erarbeiten Ihre Schüler einen Fitnessplan und lernen auf dem Weg eine Menge über den Körper und über biologische Vorgänge bei der Bewegung.

 

Muster-Angebotskatalog für Projekttage „Halte dich fit – Bewege dich und iss gesund!

  • Spaß am Fels (Klettern)
  • Bist du fit? (Ausdauer)
  • Fit mit Musik (Tanz)
  • Die Getränkepolizei – Wie viel Zucker ist in der Limonade? (über Getränke)
  • Milch ist gesund (Milchprodukte)
  • Give me 5 (Obst und Gemüse)
  • Aus Müllers Mühle (Getreideprodukte, Brot)
  • Ganz frisch! (Besuch bei einer Apfelpresse)
  • So geht’s (Werbefilm über Bewegung / gesunde Ernährung drehen)

 

Die passende Organisationsform für das Schulprojekt finden

Passen Sie die Organisationsform den Inhalten an. Klären Sie dazu folgende Fragen:

  • Wie viele Tage soll projektorientiert gearbeitet werden?
  • Soll jeder Schüler mehrere Werkstätten besuchen können?
  • Oder bleibt ein Schüler während der ganzen Dauer der Projekttage in einer Werkstatt?
  • Wie und vor wem soll präsentiert werden?
  • Wer bietet die Werkstätten an und begleitet die Schüler?
  • Können sich die Schüler altersunabhängig zuordnen?

Flankieren Sie die Gesundheitsprojekttage durch Veranstaltungen, die sich speziell an die Eltern richten. Laden Sie Referenten ein, die eine Abendveranstaltung über spezielle Aspekte von Ernährung und Bewegung durchführen, die für Eltern besonders relevant sind. Vielleicht schließt sich daran eine Vernetzung von Eltern an, die sich die Umstellung ihrer Küche auf die Fahnen schreiben.

 

Außerschulische Partner in das Projekt einbeziehen

Eltern können bei der Suche nach außerschulischen Mitgestaltern der Projekttage und nach Sponsoren besonders hilfreich sein. Vielleicht bestehen sogar schon Kontakte zur AOK, weil ein Elternteil dort arbeitet, oder zum Sportverein, weil sich Eltern dort als Übungsleiter engagieren. Doch auch wenn so etwas nicht der Fall ist, übernehmen Eltern in der Regel bereitwillig die Aufgabe, Kontakte zu knüpfen. Klären Sie vorher die Konditionen, so dass die Eltern auf einer realistischen Basis verhandeln können, wenn es beispielsweise um eine werbewirksame Gegenleistung der Schule zu einem gesponserten Betrag einer Firma geht.

Verlegen Sie den Veranstaltungsort auch gegebenenfalls für einige Teilprojekte an andere Lernorte. Wenn der Golfclub einlädt oder der Tennisverein seinen Platz zur Verfügung stellt, sollten Sie keinesfalls nein sagen. Auch dabei sind die Eltern wieder wichtige Partner. Transport- und Aufsichtsfragen lassen sich mit Ihrer Mithilfe leichter lösen.

Projektmanagement ist wichtig

Legen Sie sich dann mit der Organisation ins Zeug. Erstellen Sie einen Zeit- und Organisationsplan wie im Projektmanagement. Folgende Punkte müssen erledigt werden:

Langfristig: Legen Sie den Veranstaltungstermin langfristig fest. Unterscheiden Sie dabei zwischen den Projekttagen und der Präsentation an einem Abschlusstag. Die Projekttage müssen während der Schulzeit laufen, vielleicht in den Nachmittag hinein verlängert. Alle Aktionen, die die Eltern betreffen oder zu denen alle Eltern eingeladen werden sollen, sollten zu einer Zeit stattfinden, in der auch berufstätige Eltern kommen können: am Abend oder am Samstag.

Mittel- und kurzfristig: Legen Sie die Raumaufteilung und die Zeiteinteilung fest. Klären Sie auch, ob die ganze Schulzeit für die Projektarbeit verwendet wird oder ob Sie eine Basiszeit für Unterricht verwenden und die tägliche Projektphase erst nach der 2. Stunde beginnt. Auch Pausenzeiten und gegebenenfalls Verpflegungsmöglichkeiten müssen geklärt werden. Legen Sie den weiteren organisatorischen Rahmen fest. In der folgenden Checkliste finden Sie die Details.

 

Checkliste: So organisieren Sie die Projekttage

  • Legen Sie die Raumaufteilung fest. 􀂉
  • Erstellen Sie einen Zeitplan für die Gesamtveranstaltung. 􀂉
  • Weisen Sie Pausenzeiten aus. 􀂉
  • Klären Sie Verpflegungsmöglichkeiten. 􀂉
  • Stellen Sie Wegweiser und Schilder im Schulhaus auf. 􀂉
  • Geben Sie eine zentrale Anlaufstelle an, wo Fragen geklärt werden können, z. B. das Sekretariat.

 

Die Ergebnisse der Projektttage festhalten

Sorgen Sie während der Projekttage für die Möglichkeit, durch Zwischenstandsberichte über die Vorgänge in den Werkstätten zu berichten. Wirkungsvolle Präsentationen lassen sich vor allem an Wandzeitungen gestalten. Suchen Sie nach einer Möglichkeit, diese zentral aufzustellen, sodass möglichst viele Informationen gelesen werden können. Auch hier können die Eltern Sie entlasten. Sie unterstützen den Lehrer, der ein Projekt leitet, dabei, die Ergebnisse mit den Schülern zusammen in eine präsentable Form zu bringen. Präsentieren Sie die Ergebnisse der Projektwoche am Abschluss-Freitag von 16 bis 19.30 Uhr in der Schule.

 

Mit Öffentlichkeitsarbeit die Kollegen beteiligen

Nutzen Sie solche Gelegenheiten für die Öffentlichkeitsarbeit. Verfassen Sie im Vorfeld eine Pressemitteilung und nach den Projekttagen einen Bericht. Betonen Sie darin die Kooperation mit den Eltern.

 


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