In 7 Schritten ein professionelles Elterngespräch führen

23.05.2016

Viele Elterngespräche ziehen sich sehr in die Länge, ohne am Ende zu einem wirklichen Ergebnis zu führen. Eine strukturierte Gesprächsführung ist nicht nur wichtig, um Ordnung in den Ablauf zu bekommen, sondern auch, um zielführend zu sein. Lesen Sie hier, welche 7 Schritte Sie bei der Vorbereitung und Durchführung bedenken sollten.

Gut vorbereitete Elterngespräche helfen Ihnen, diese bewusst zu steuern. So leiten Sie das Gespräch zu einem Ergebnis, auf dem in Zukunft aufgebaut werden kann.

 

Schritt 1: Begrüßen Sie die Eltern zu Beginn des Gespräches richtig

Selbstverständlich beginnt jedes Gespräch mit einer Kontaktaufnahme. Beachten Sie, welchen Einfluss diese bereits auf den Verlauf des Gesprächs haben kann. Vermitteln Sie den Eltern bereits bei der Begrüßung den Eindruck, dass Sie Interesse an einer positiven Entwicklung für das Kind haben. Je nach Anlass des Gesprächs haben vielleicht nicht nur Sie, sondern auch die Eltern ein mulmiges Gefühl. Versuchen Sie, Lockerheit und Zuversicht auszustrahlen. Holen Sie die Eltern persönlich am Eingang des Schulgebäudes ab, und bedanken Sie sich, dass sie sich Zeit genommen haben. Beginnen Sie auf dem Weg in das Beratungszimmer, mit ihnen Small Talk über allgemeine unverfängliche Themen zu halten. Es mag banal klingen, doch das Wetter ist tatsächlich ein Aspekt, über den man in der Regel schnell Konsens findet. So brechen Sie das Eis und tragen dazu bei, dass die Anspannung auf beiden Seiten ein wenig abfällt.

 

Schritt 2: Klären Sie mit den Anlass des Elterngesprächs

Sobald Sie gemeinsam im Elternsprechzimmer Platz genommen haben und alle gesprächsbereit sind, beginnen Sie damit, den Eltern den Grund für das Gespräch zu erläutern. Beispiele:

  • „Frau Peters, wir treffen uns heute, da ich Ihnen Rückmeldung über Lenas Lernentwicklung geben möchte.“
  • „Herr Sokolow, der Anlass unseres Gesprächs ist, dass ich mit Ihnen über Elenas Arbeitsverhalten sprechen möchte.“
  • „Herr Keser, in unserem Gespräch heute soll es darum gehen, wie wir Eren noch besser dabei unterstützen können, sich an die Klassenregeln zu halten.“

Haben die Eltern Sie um das Gespräch gebeten, fassen Sie kurz zusammen, was Sie für einen Anlass herausgehört haben. Wichtig: Fragen Sie Eltern immer vorab, weshalb sie ein Gespräch wünschen. Für Ihre Vorbereitung ist es unerlässlich zu wissen, was die Eltern auf dem Herzen haben.

Beispiel: „Herr Bauer, wenn ich das richtig herausgehört habe letzte Woche, möchten Sie mit mir darüber sprechen, dass Julian sich in der Klasse momentan unwohl fühlt. Habe ich das richtig verstanden?“ Geben Sie den Eltern die Möglichkeit, dazu Feedback zu geben. Vermeiden Sie Formulierungen, in denen Vorwürfe oder Verallgemeinerungen stecken, wie z. B. „Sie möchten mit mir über das schlechte Klima in der Klasse sprechen?“ Dies impliziert, dass Sie selbst das Klima als „schlecht“ bewerten und davon ausgehen, dass sich alle Kinder unwohl fühlen. Außerdem wird es bei einer weitläufigen Formulierung für Sie schwerer, zu einem Ergebnis zu kommen. Deshalb ist es entscheidend, bereits beim Klären des Anlasses auf eine konkrete Problemstellung zu achten. Stellen Sie dabei das Kind in den Fokus, nicht Ihre Methoden, Ihre Entscheidungen, die Klasse oder Mitschüler.

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Schritt 3: Tauschen Sie Informationen mit den Eltern aus

In diesem Schritt geht es darum, Beobachtungen zum aktuellen Anlass auszutauschen. Beginnen Sie zu berichten, wenn die Initiative von Ihnen ausging. Formulieren Sie dabei ICH-Botschaften:

  • Benennen Sie Verhaltensweisen des Schülers, statt ihm Eigenschaften zuzuschreiben.
  • Betonen Sie, dass es sich um Ihre Perspektive handelt.
  • Schildern Sie, welche Effekte des Verhaltens Sie wahrgenommen haben und welche Gedanken dies in Ihnen auslöst.

 

Beispiel:

  • „Auf mich wirkt es, als ob Eren den Unterricht gestern gestört hat, weil er sich nicht konzentrieren konnte.
  • Ich habe wahrgenommen, dass er Schwierigkeiten hatte, mit der Arbeit zu beginnen. Stattdessen hat er angefangen, die anderen Schüler zu stören. Ich habe gesehen, wie Eren seinem Tischnachbarn das Mäppchen weggenommen hat, was zu einem Streit führte.  
  • Ich habe in den letzten Wochen diesen Ablauf öfter beobachtet und mir notiert, wann genau dieses Verhalten aufgetreten ist. Meiner Beobachtung nach zeigt Eren dieses Verhalten kurz vor der großen Pause und kurz vor Schulschluss. Ich vermute, dass seine Konzentration zu diesem Zeitpunkt stark nachlässt. In den anderen Phasen schafft er es, sich gut zu konzentrieren, und arbeitet sehr gut mit.
  • Gestern habe ich Ihren Sohn gefragt, ob er selbst eine Idee hat, warum er sich nicht mehr konzentrieren konnte. Seine Antwort war, dass er sich schon so sehr auf die Pause freue. Er habe Hunger und wolle Fußball spielen.
  • Ich könnte mir vorstellen, dass die Spanne zwischen den Pausen für Eren zum einen generell lang sein könnte, um die Konzentration aufrechtzuerhalten. Zum anderen sehe ich eine Erklärung darin, dass er vielleicht durch den Hunger abgelenkt wird. Frühstückt er nicht gern? Haben Sie zu Hause etwas Ähnliches beobachtet?“

 

Gehen Sie anders vor, wenn die Initiative von den Eltern ausging:
Lassen Sie sie zunächst berichten, weshalb genau sie um das Gespräch gebeten haben. Schildern Sie einander anhand von konkreten Beispielen, welche Schwierigkeiten aufgetreten sind bzw. welche Fortschritte das Kind gemacht hat. Achten Sie dabei auf Regeln für aktives Zuhören:

1. Achten Sie auf die Gefühle des Gesprächspartners. In manch scharfen oder vorwurfsvollen Formulierungen von Eltern stecken Ängste und Sorgen. Sie sind vielleicht überfordert oder machen sich selbst Vorwürfe.

2. Spiegeln Sie Wahrgenommenes. Geben Sie Rückmeldung darüber, was Sie wahrnehmen. Beispiel: „Ich habe den Eindruck, dass Sie mit dieserm Situation unzufrieden sind.“

3. Vergewissern Sie sich, ob Ihr Eindruck stimmt: „Ist das richtig?“ Machen Sie sich möglichst während des Informationsaustausches Notizen. Achten Sie darauf, sich nicht hinter dem Notizblock zu verstecken, sondern immer wieder Blickkontakt aufzunehmen.

 

Schritt 4: Fassen Sie die wesentlichen Punkte des Gespräches zusammen

Fassen Sie mündlich positive und negative Aspekte zusammen. Machen Sie sich dazu auch Notizen.

Ist der Gesprächsanlass die Rückmeldung zu einer positiven Lernentwicklung, betonen Sie diese guten Aspekte. Formulieren Sie, wo weiterer Entwicklungsbedarf besteht oder was der nächste Schritt in der Lernentwicklung ist. Auch im Fall eines Konfliktgesprächs ist es hilfreich, bewusst zu betonen, was sich Positives feststellen lässt. Ein Schüler hat phasenweise Schwierigkeiten mit der Konzentration? Dann gibt es auch Phasen, in denen er sich gut konzentrieren kann. Diese Phasen gilt es auszubauen. Bringen Sie auf den Punkt, was sich verbessern sollte. Dadurch legen Sie den Fokus auf die Lösung, nicht auf das Problem.

 

Schritt 5: Sammeln Sie gemeinsam mit den Eltern Ideen

Überlegen Sie mit den Eltern gemeinsam, was getan werden kann, um eine positive Entwicklung anzubahnen bzw. zu stabilisieren: Welche Maßnahmen könnten dem Schüler helfen? Was kann zu Hause, was in der Schule getan werden? In Erens Fall können die Interventionen sein: ein ausgiebigeres Frühstück am Morgen, ein extra Pausenbrot und ein kleinschrittigerer Wochenplan mit ausreichend Pausen zum Erholen oder sogar einer zusätzlichen Snackpause für das Kind.

 

Schritt 6: Erstellen Sie einen Interventionsplan

Halten Sie genau fest, welche Maßnahmen über welchen Zeitraum hinweg ergriffen werden sollen: Was werden die Eltern konkret, z. B. in den nächsten 4 Wochen, tun? Was werden Sie in dieser Zeit im Unterricht versuchen? Wann treffen Sie sich wieder, um den Erfolg der Maßnahmen zu reflektieren? Besteht auf allen Seiten Konsens? Wenn nicht, was muss geändert werden, damit alle mit dem Interventionsplan einverstanden sind?

Erens Eltern werden in den kommenden 4 Wochen darauf achten, dass ihr Sohn morgens frühstückt. Sie werden ihm weitere Pausenbrote und Snacks für Zwischendurch mitgeben. Bisher hatte der Junge seinen Eltern nicht gesagt, dass ihm ein Brot nicht reicht. Sie hatten beobachtet, dass er sein Taschengeld immer rasch ausgibt, ohne zu wissen, wofür. Die Eltern vermuten nun, dass er sich beim Pausenverkauf öfter etwas Zusätzliches kauft, da er noch Hunger hat.

Erens Lehrerin bietet dem Jungen öfter an, sich nach konzentrierten Arbeitsphasen in der Leseecke zu erholen. Für die Zeiten vor den Pausen bekommt Eren überschaubare spielerische Aufgaben, um das Gelernte zu wiederholen. In 4 Wochen treffen sich Erens Eltern und seine Lehrerin, um zu besprechen, ob sich bereits eine Veränderung im Verhalten des Jungen feststellen lässt.

 

Schritt 7: Beenden Sie das Gespräch aktiv

Am Ende ist es wichtig, auf den Anlass des Gesprächs zurückzublicken und Resümee zu ziehen: Gibt es ein konkretes Ergebnis des Gesprächs? Haben beide Seiten das Gefühl, dass das Gespräch zielführend war? Weiß jeder, wie in den kommenden Wochen bzw. Monaten weiter verfahren wird? Sicherlich gibt es auch Gespräche, bei denen Sie mit den Eltern letztendlich nicht in Einklang kommen. Signalisieren Sie in diesem Fall, dass Sie zu einem anderen Zeitpunkt
bereit sind, das Gespräch wiederaufzunehmen. Hilfreich kann sein, sich für diese Zwischenzeit zumindest darauf zu verständigen, das Gesagte auf sich wirken zu lassen und über Lösungsansätze nachzudenken, bis man sich zu einer Fortsetzung des Gesprächs trifft.


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