Positive Kritikgespräche

22.11.2011

Damit der Alltag an Ihrer Schule reibungslos läuft, ist ein stabiles Team unerlässlich. Schlimm, wenn Kontroversen und Zwist die Zusammenarbeit des Kollegiums belasten. Intervenieren Sie deshalb bevor Konflikte im Kollegium eskalieren – entsprechende Konfliktgespräche sind hier unerlässlich.

Aber: Mitarbeitergespräche erfolgreich führen, ist keine einfache Sache. Eine falsch verstandene Formulierung im Kritikgespräch führt schnell zu einer weiteren Konfrontation, die Konflikte im Kollegium im schlimmsten Fall weiter anheizt, in innerer Kündigung, Dienst nach Vorschrift oder Verweigerung endet. Das muss nicht sein! Mit den folgenden Regeln des Konfliktmanagements führen Sie konstruktive Kritikgespräche:Datenschutz in der Schule

1. Regel: Führen Sie das Kritikgespräch zeitnah

Führen Sie Konfliktgespräche nie direkt nach einer Auseinandersetzung, insbesondere wenn Sie selbst emotional beteiligt sind – die Gefahr einer Eskalation ist jetzt sehr hoch. Besser: Bitten Sie den/die betroffenen Kollegen am nächsten oder übernächsten Tag zum Mitarbeitergespräch. Lassen Sie jedoch nicht zu viel Zeit zwischen Anlass und Kritikgesprächen vergehen, sonst kann Ihr Teammitglied keine Verbindung mehr zwischen Ursache und Kritikgespräch herstellen.

2. Regel: Beschreiben Sie den Anlass des Gesprächs konkret

In Mitarbeitergesprächen geht es nicht um die Person des betreffenden Kollegen, sondern immer um ein explizites Verhalten in einer bestimmten Situation – machen Sie dies auch den Mitgliedern Ihres Teams immer wieder deutlich. So erschweren Sie es dem Kritisierten, Ihre Kritik persönlich zu nehmen und direkt als ungerechtfertigt abzulehnen.

Nutzen Sie in Ihren Kritikgesprächen dazu Formulierungen wie: „Ich schätze Ihre Arbeit mit den Schülern sehr. Trotzdem müssen wir heute über etwas sprechen, das nicht so gut läuft, nämlich die Zusammenarbeit im Kollegium: Leider nehmen Sie nicht an den wöchentlichen Sitzungen des Stufenteams teil. Können Sie mir die Gründe dafür nennen?“

3. Regel: Bauen Sie Widerstand in Konfliktgesprächen gezielt ab

Belegen Sie Kritikpunkte in Mitarbeitergesprächen immer mit konkreten Beispielen, etwa aktuellen Konflikten im Kollegium, eigenen Beobachtungen oder Beschwerden von Schülern, Eltern, Kollegen. Zeigen Sie deutlich die Konsequenzen des Fehlverhaltens Ihres Mitarbeiters auf, etwa dass Schüler durch ein Tolerieren von Regelübertretungen vermehrt Grenzen überschreiten.

Achten Sie zudem gerade in Kritikgesprächen auf eine bewusste Wortwahl. Insbesondere das Wortes „aber“ negativiert auch positive Aussagen und provoziert schnell Widerstand, wie etwa hier: „Sie engagieren sich bei Elternabenden, aber für die Gemeinschaft machen Sie zu wenig.“ Ersetzen Sie den Ausdruck „aber“ in Konfliktgesprächen deshalb durch

  • eine Gegenüberstellung: „Einerseits bin ich mit Ihrer Unterrichtsarbeit sehr zufrieden, andererseits ist mir von Kollegen mitgeteilt worden, Sie würden sich nicht an den Gemeinschaftsaufgaben beteiligen.
  • Verständnis und Weiterführung: „Ich kann verstehen, dass für Sie als leidenschaftlicher Pädagoge in erster Linie die Klasse zählt. Gleichzeitig funktioniert unsere Schule nur, wenn das Kollegium als Team Absprachen trifft. Deshalb muss ich von jedem eine Teilnahme an Teamsitzungen verlangen – also auch von Ihnen.“

4. Regel: Geben Sie im Mitarbeitergespräch konkrete Ziele vor

Formulieren Sie im Kritikgespräch konkret, wie das Verhalten Ihres Mitarbeiters zukünftig sein sollte, z.B.: „Ich möchte, dass Sie künftig an Teamsitzungen teilnehmen.“ Fragen Sie den Kollegen im Konfliktgespräch, wie er das Ziel seiner Meinung nach erreichen kann, etwa: „Haben Sie eine Idee, wie Sie es einrichten können, teilzunehmen?“ Das wirkt selbstverpflichtend und stark motivierend.

5. Regel: Heben Sie den Nutzen der Verhaltensänderung hervor

Stellen Sie deutlich heraus, dass gerade Ihr Teammitglied Gewinn aus einer Verhaltensänderung zieht, etwa wenn belastende Konflikte im Kollegium ausbleiben. Bedenken Sie: Je mehr Vorteile Sie ihm während des Kritikgesprächs aufzeigen, desto eher wird er bereit sein, sein Verhalten zu modifizieren.

6. Regel: Halten Sie die Ergebnisse von Kritikgesprächen fest

Am Ende jeden Mitarbeitergesprächs sollte eine schriftliche Notiz stehen, in der Sie das festgelegte Ziel, etwa weniger personenbezogene Konflikte im Kollegium, festhalten. So haben Sie beide eine Orientierungshilfe sowie eine klare Basis für spätere Feedbackgespräche.

7. Regel: Vereinbaren Sie einen Folgetermin

Belassen Sie es nicht bei einzelnen Konfliktgesprächen, sondern geben Sie in regelmäßigen Mitarbeitergesprächen Rückmeldung, wie Sie zwischenzeitliche Entwicklungen im Hinblick auf das festgelegte Ziel einschätzen. Legen Sie dazu direkt einen Folgetermin fest.

Bestärken Sie Ihren Kollegen im späteren Gespräch durch positive Rückmeldungen. Zeigt er keine Veränderung seines Verhaltens und kommt dem Ziel des Kritikgespräches nicht näher, führen Sie zeitnah ein zweites Konfliktgespräch. So verdeutlichen Sie, dass Sie es ernst meinen und bereit sind, Konsequenzen zu ziehen.


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