Klassenkonferenz: Jeder einzelne Schüler im Blick

08.08.2016

„Fällt Luca in Mathematik derzeit auch so ab? Bei mir in Englisch hagelt es seit Beginn des neuen Schuljahres Fünfen und Sechsen. Mit dem Jungen scheint was nicht zu stimmen.“ Unzählige solcher Gespräche führen Lehrer während der Pausenaufsicht oder im Vorbeigehen im Lehrerzimmer. Es bleibt beim unverbindlichen Austausch von allgemeinen Eindrücken. Doch damit lösen sich die Probleme nicht.

 

Nutzen Sie ein Forum, in dem sich die Lehrer ausführlich und verbindlich über die Entwicklung der Schüler austauschen: die Klassenkonferenz. Legen Sie fest, dass sie gegen Ende des 1. Drittels des Schuljahres verpflichtend für jede Klasse jeder Jahrgangsstufe stattfindet. Ihre Lehrer tauschen Beobachtungen und Informationen über jeden einzelnen Schüler aus und vereinbaren konkrete Fördermaßnahmen. So wird die Entwicklung frühzeitig im Schuljahr in den Fokus gerückt und Fördermaßnahmen haben noch eine Chance, zu wirken.

 

Auffällige Schüler im Fokus der Klassenkonferenz

Sicherlich werden Sie über verhaltensauffällige Schüler länger sprechen. Doch schenken Sie auch den zurückgezogenen oder solchen Schülern, die „eigen“ wirken, genügend Aufmerksamkeit. Bedenken Sie: Die Täter bei Amokläufen in Erfurt und Nürnberg gehörten zu den zurückgezogenen Schülern, die erhebliches Belastungspotenzial mit sich herumtrugen.

 

Inklusion in der Schule

 

Die Klassenkonferenz organisieren

Als Klassenlehrer berufen Sie die Klassenkonferenz ein. Laden Sie schriftlich alle Lehrer der Klasse und wenn möglich weitere pädagogische Kräfte, die im multiprofessionellen Team der Klasse mitwirken, ein.

Legen Sie den Termin möglichst frühzeitig fest. So verhindern Sie Terminüberschneidungen. Darüber hinaus erhalten die beteiligten Lehrer eine Orientierung, bis wann sie erste Leistungserhebungen durchführen und Beobachtungen festhalten sollen, um einen Eindruck von jedem Schüler zu erhalten. Denn diesen sollen sie in der Klassenkonferenz wiedergeben.

 

Bereiten Sie die Konferenz vor

Erstellen Sie als Klassenlehrer eine Übersicht über Ihre Beobachtungen eines jeden Schülers. Befestigen Sie ein Foto des Schülers am oberen Blattrand. Für Fachlehrer, die nur eine Stunde pro Woche in der Klasse unterrichten, ist dies eine große Hilfe. Übergeben Sie diese Beschreibungen eine Woche vor der Klassenkonferenz an alle Beteiligten. So haben die Kollegen Zeit, im Vorfeld ihre eigenen Eindrücke mit Ihren abzugleichen und bei einer großen Diskrepanz den Schüler genauer zu beobachten, beispielsweise während einer Gruppenarbeitsphase oder während des eigenverantwortlichen Lernens. Oder sie haben nochmals Gelegenheit, den Leistungsstand zu überprüfen.

 

Die Klassenkonferenz durchführen

Begrüßen Sie alle Teilnehmer und bedanken Sie sich, dass alle zu dieser wichtigen Konferenz zusammengekommen sind. Nennen Sie kurz zusammengefasst das Ziel, die Entwicklung jedes
einzelnen Schülers zu thematisieren, zu beobachten und zu begleiten. Kündigen Sie den vorgesehenen Zeitrahmen mit Kurzpause an und bitten Sie alle darum, zur Einhaltung beizutragen. Erklären Sie den Ablauf:

  • Sie als Klassenleiter stellen den Schüler vor.
  • Die Fachlehrer ergänzen ihre Eindrücke.
  • Alle zusammen beraten, ob und welcher Bedarf an Förderung oder Elternberatung besteht.
  • Beschlussfassung

 

Was können die Lehrer gegen störende Schüler tun?

Insbesondere wenn mehrere Lehrer über das Störverhalten eines Schülers oder seine nicht erledigten Hausaufgaben berichten, liegt der Schluss nahe: „Hier müssen die Eltern ran!“ Das ist sicher richtig, doch dies alleine wäre ein mageres Ergebnis. Stoßen Sie die Diskussion an: „Und was können wir als Klassenteam dagegen tun?“ Legen Sie ein Vorgehen fest, das alle Lehrer einhalten, z. B. die konsequente Nacharbeit an einem festgelegten Tag der Woche. Oder Sie arrangieren ein „Auszeitprogramm“ für Störer. Die Klassenkonferenz gibt in solch einem Fall vielleicht sogar den Auftakt für eine schulweite Lösung. Manchmal hilft auch schon ein einheitliches konsequentes Vorgehen aller Lehrer.

Trennen Sie sich nicht, bevor festgelegt ist, wer welche Aufgaben übernimmt. Andernfalls läuft die Wirkung der Klassenkonferenz ins Leere.

 

Bilanz der Klassenferenz

Lassen Sie die eingeleiteten Fördermaßnahmen wirken, sofern welche notwendig waren. Ziehen Sie zum Zwischenzeugnis bzw. zu den jeweiligen Terminen der Rückmeldung an die Eltern Bilanz:

  •  Hat sich bewährt, was durch die Klassenkonferenz initiiert wurde?
  • Reichen die Fördermaßnahmen aus? Muss nachjustiert werden?
  • Kann / soll der Förderplan fortgeschrieben werden?
  • Gibt es aktuelle Entwicklungen?

Möchten Sie Ihren Kollegen allzu viele Sitzungstermine ersparen, berufen Sie keine 2. Klassenkonferenz ein, sondern informieren Sie sich bilateral und halten Sie sich gegenseitig auf dem Laufenden.


Das sagen Ihre Kollegen:


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