Wer fragt, der führt – führen Sie!

14.09.2017

Fragen spielen in einem Gespräch eine wesentliche Rolle, denn: Wer fragt, der führt. Sie als Schulleiter und Füh­rungskraft sind also derjenige, der die Fragen stellt. Was es mit der Kunst zu fragen auf sich hat, erfahren Sie im folgenden Beitrag.

In verschiedenen Phasen eines Ge­sprächs führen unterschiedliche Fragentypen zu Ergebnissen. Setzen Sie sie passgenau ein.

Mit einer Fragen-Dramaturgie zielgerichtet vorangehen

Setzen Sie die verschiedenen Fragetypen im Sinn einer Trichterung ein: Stellen Sie zu Beginn des Gesprächs vermehrt offene und allgemeine, dann spezielle und geschlossene Fragen. Dies verhilft Ihnen anfangs zu einer breiten Informa­tionsbasis und gibt Ihrem Gesprächs­partner Raum, seine Sicht darzustellen. Im Verlauf des Gesprächs kommen Sie mithilfe dieser Dramaturgie zielgerich­tet zu einem Ergebnis.

Mit offenen Fragen die Beziehungs­türen öffnen

Fallen Sie nicht sofort mit der Tür ins Haus: Steigen Sie mit einer deutlichen Anfangsphase in ein Gespräch ein, in der Sie Ihren Gesprächspartner begrü­ßen und – sofern Sie das Gespräch ini­tiiert haben – kurz den Anlass und das Ziel des Gesprächs skizzieren. Schlie­ßen Sie an diese Phase offene Fragen an oder fordern Sie zum Erzählen auf, was einer Frage gleichkommt: „Die Lehrerin Ihres Sohnes, Frau Meier, berichtet, dass Ihr Junge keine Hausaufgaben macht. Lassen Sie uns hören, wie dies aus Ihrer Perspektive aussieht.“

Wenn das Gespräch von Ihrem Part­ner initiiert wurde, stellen Sie Fragen wie: „Sie kommen wegen Ihrer Tochter Isabell. Lassen Sie hören, wo der Schuh drückt.“

Wenn Sie den Anlass kennen, aber den Sachverhalt aus dem Mund des Ge­sprächspartners hören wollen, fragen Sie z. B.: „Sie kommen wegen eines Kon­flikts mit dem Lehrer von Markus. Wor­um genau geht es?“

Eine offene Frage kann nicht mit „Ja“ oder „Nein“ beantwortet werden, sondern fordert eine ausführliche Ant­wort.

Achtung! Wenn Ihr Gesprächspart­ner Ihre Aufforderung zum Erzählen zu großzügig interpretiert und zu aus­führlich wird, fassen Sie zusammen und stellen anschließend Informationsfra­gen oder geschlossene Fragen.

Mit Informationsfragen Details erfahren

Notieren Sie während der Erzählung des Gesprächspartners Stichpunkte, zu denen Sie Genaueres erfahren wol­len. Kommen Sie nach Beendigung der Schilderung darauf zurück: „Sie er­wähnten, dass Marcel sich beim Lernen nicht so leichttue. Was genau ist damit gemeint?“ Setzen Sie Informationsfra­gen ein, um Details zu erfragen. Sie beginnen mit einem „W“: „was“, „wie“, „wann“, „wo“, „“wer“ oder „wie viel“.

Mit geschlossenen Fragen zu Ergebnissen kommen

Je mehr sich Ihr Gespräch dem Ende nähert, umso präziser und konkreter müssen Ihre Fragen sein. Setzen Sie nun mehr geschlossene Fragen ein. Sie beginnen mit einem Verb oder ei­nem Hilfsverb und ziehen ein „Ja“ oder „Nein“ nach sich, z. B.: „… sind Sie mit diesem Vorschlag einverstanden?“

Geschlossene Fragen brauchen Sie auch gegenüber Nonstop-Rednern. Un­terbrechen Sie nach einiger Zeit deren Redefluss und fragen Sie nach einem Detail oder nach dem Kern des Anlie­gens. „Können wir festhalten, dass Sie künftig die Hausaufgaben Ihres Kindes täglich kontrollieren werden?“

Mit Fragen zur Problemlösung anregen

Lösungen werden von einem Ge­sprächspartner umso mehr akzeptiert, als sie selbst an der Lösungsfindung be­teiligt sind. Halten Sie sich deshalb mit Ihren eigenen Vorstellungen zurück. Fordern Sie vielmehr Ihren Gesprächs­partner durch lösungsorientierte Fragen dazu auf, eigene Ideen zu entwickeln. Bekräftigen Sie diese Lösungsversuche, die Ihnen geeignet erscheinen, und be­sprechen Sie anschließend, ob und wie sich diese konkret umsetzen lassen. Er­gänzen Sie Vorschläge aus der pädago­gischen Expertensicht.

Mit einer Alternativfrage die Entscheidung herbeiführen

Mit einer Alternativfrage stellen Sie Ihren Gesprächspartner vor die Wahl zwischen 2 Möglichkeiten: „Es liegen 2 Lösungen vor uns. Bei der einen bleibt Ihre Tochter in der Klasse und erhält 2-mal pro Woche eine Stunde lang Unterstützung durch ei­nen Sonderpädagogen. Im anderen Fall tritt sie in die Förderschule über und er­hält dort eine umfassende Förderung.“

Mit einer Kontrollfrage sich rückversichern

Überprüfen Sie mit einer Kontrollfrage, ob Sie und Ihr Gesprächspartner noch miteinander übereinstimmen, bevor Sie einen neuen Themenblock ansprechen oder das Gespräch endgültig abschlie­ßen: „Sind hierzu noch Fragen offen?“

Suggestivfragen vermeiden

„Meinen Sie nicht auch, dass …!“ „Es ist doch wohl unbestritten, dass …!“ Bei der Suggestivfrage versuchen Sie als Fra­gender, Ihren Gesprächspartner in Ih­rem Sinne zu beeinflussen. Typisch für diesen Fragetyp sind Wörter wie „doch“, „wohl“, „auch“, „bestimmt“ oder „si­cherlich“.

Auf provozierende Fragen verzichten

Mit der provozierenden Frage greifen Sie Ihren Gesprächspartner an. Sie soll­ten diese Fragen nur gezielt in Ausnah­mesituationen stellen. Bedenken Sie: Mit dieser Fragetechnik machen Sie sich keine Freunde!

Beispiel: „Ihnen ist es wohl überhaupt nicht wichtig, ob Ihr Sohn das Klassenziel erreicht?“

Auch Fragen zulassen

So wichtig es ist, der Fragende zu sein und das Gespräch zu lenken: Lassen Sie auch Fragen Ihres Gesprächspartners zu. So wollen Eltern von Ihnen wissen: „Welche Möglichkeiten hat mein Kind mit diesen Noten?“, oder Kollegen fra­gen: „Wie sieht die rechtliche Situation aus?“

Fazit: Fragen sind wichtige Elemente in der Gesprächsführung. Doch dürfen Sie keinesfalls das Gefühl erwecken, Ihr Gesprächspartner werde ausgefragt.


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