Vermeiden Sie diese 3 häufigsten Führungsfehler

08.12.2018

Selbst ein kleines Lehrerkollegium zu führen erfordert viel Fingerspitzengefühl. Denn hat ein Schulleiter den Respekt seines Kollegiums erst einmal verloren, sinkt das Stimmungsbarometer im Lehrerzimmer rapide ab.

Diese Entwicklung umzukehren ist kaum möglich oder zumindest sehr zeit- und energieaufwendig. Vermeiden Sie deshalb von vornherein die 3 häufigsten Führungsfehler.

Fehler 1: Entscheidungen aufschieben

Natürlich sollten Sie Entscheidungen gut abwägen. Aber so lange zu warten, bis Sie auch das letzte nebensächliche Detail geklärt haben, und die Entscheidung so lange hinauszuzögern, das verursacht bei Ihren Lehrern Frust.

Es verunsichert auch, denn Ihre Lehrer wissen nicht, wo ’s langgeht. Und es demotiviert generell, denn das Hinauszögern zieht Abwarten und Inaktivität nach sich. Dabei müssen Sie gar nicht immer selbst entscheiden, jedoch die Entscheidung herbeiführen.

Praxisbeispiel:

Wenn sich in Ihrem Kollegium 2 Lager gebildet haben, ob dieses Jahr ein Sommeroder ein Sportfest stattfinden soll, verhärten sich mit jedem Tag Verzögerung die Fronten.

Sorgen Sie nach einer einwöchigen Phase der Meinungsbildung für Klarheit: Lassen Sie abstimmen, und legen Sie das Entscheidungskriterium fest, z. B. eine 2/3-Mehrheit. Oder Sie entscheiden und begründen Ihre Haltung, sodass die „Verlierer“ die Argumente nachvollziehen können.

Fehler 2: Ungenau zuhören

Schulleiter haben es in der Regel eilig, denn sie müssen unzählige Verwaltungs- und Organisationsaufgaben, den eigenen Unterricht und die Belange ihrer Lehrer und Schüler unter einen Hut bringen.

Die Folge davon: Manche hören bei der Schilderung eines Anliegens nur halb zu und sind nach wenigen Worten schon mit der Lösungssuche im Kopf beschäftigt.

Viele bilden sich vorschnell ein Urteil in dem Bewusstsein: Das habe ich schon x-mal gehört. Ich weiß Bescheid. Die Folge von zu wenig zuhören: Fehleinschätzungen und Fehlentscheidungen, verärgerte Lehrer und manchmal auch Eltern.

Praxisbeispiel:

Nach Unterrichtsende beschwert sich die Sportlehrerin beim Schulleiter über das aufsässige Verhalten eines Schülers im Unterricht. Sie berichtet, dass sie den Schüler als Konsequenz auf die Bank gesetzt und dass sich nach dem Unterricht die Mutter am Telefon beschwert habe.

Da es der Schulleiter sehr eilig hat, wiegelt er ab und meint abschließend: Damit ist ja wohl alles erledigt. – Hätte er nur auf den Unterton der Schilderung gehört und nach dem Ergebnis des Gesprächs gefragt, dann hätte er sicher mit einem Anruf bei der Mutter verhindern können, dass am nächsten Tag die Schule mit einer Schlagzeile im Regionalanzeiger schlechtgeredet wurde: „9-Jähriger von der Sportlehrerin gemobbt“.

Fehler 3: Mikromanagement

Ihr Lehrerkollegium besteht aus hochgebildeten Menschen, Akademikern. Außerdem legen Lehrer Wert auf ihren pädagogischen Freiraum, der ihnen per Lehrerdienstordnung zugesichert ist.

Was kann es für dieses Personal Schlimmeres geben als einen Chef, der seine Lehrer bis ins kleinste Detail kontrolliert und ihnen einschränkende Vorschriften macht? Das verärgert und führt zu Dienst nach Vorschrift. 

Praxisbeispiel:

An der großen Grundschule Auerbach wird eine „AG Digitale Grundschule Auerbach“ eingerichtet. Als sich nach den ersten 2 Sitzungen noch keine konkreten Ergebnisse im Sinn des Schulleiters zeigen, klinkt sich der Schulleiter ein.

Ohne nähere Begründung erklärt er, dass der AGLeiter künftig die Tagesordnung der Sitzungen mit ihm absprechen und ihm zuverlässig die ausführlichen Protokolle zukommen lassen solle. – Pures Hineinregieren!

Besser wäre es gewesen, nach dem klassischen Projektmanagement vorzugehen und mit dem AG-Leiter einen Zeitplan abzusprechen, zu dem die einzelnen Arbeitspakete fertig sein sollen. – Das Ziel vorgeben, den Weg von den Lehrern bestimmen lassen, das ist das Geheimnis einer guten Delegation.


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