Angstfaktor Beurteilung

07.05.2012

Die Abneigung gegen Beurteilungen äußert sich vor allem im Unbehagen vor Unterrichtsbesuchen der Schulleitung. Auf Kritik in Form einer „nur“ durchschnittlichen Bewertungsstufe in der Lehrerbeurteilung reagiert so mancher mit Rückzug. Doch das Hauptziel der dienstlichen Beurteilung ist die Qualitätssicherung von Unterricht. Sie stehen also vor der Frage: Wie können Beurteilung und Leistungsbericht dazu motivieren, sich noch mehr zu engagieren? Tipps für die Schulentwicklung

Betonen Sie, welcher Zeitraum gilt

Die dienstliche Beurteilung ist keine Momentaufnahme. Vielmehr beziehen Sie Ihre Beobachtungen über Unterricht, Erziehen und schulisches Engagement über den gesamten Beurteilungszeitraum von 4 Jahren ein. Würdigen Sie also auch länger zurückliegende Leistungen. Damit Sie nicht in den Beurteilungsfehler „Der letzte Eindruck zählt“ verfallen, schreiben Sie Ihre Beobachtungen aus vielfältigen Situationen systematisch auf.

Nutzen Sie Unterrichtsbesuche zur Beratung

Führen Sie Unterrichtsbesuche nicht auf den letzten Drücker durch. Verteilen Sie sie auf den gesamten Beurteilungszeitraum. Ergreifen Sie viele Gelegenheiten zur Unterrichtsbeobachtung, z.B. wenn eine Lehrkraft Sie zu einer Projektpräsentation einlädt. Führen Sie nach jedem Besuch ein ausführliches Beratungsgespräch. So haben Ihre Lehrer Gelegenheit, Ihre Anregungen umzusetzen. Honorieren Sie Fortschritte, indem Sie dies der Lehrkraft rückmelden und es schriftlich festhalten.

Selbstevaluation und Feedback als Elemente der Schulkultur

Dienstliche Beurteilungen und Leistungsberichte sind besondere Formen der Rückmeldung über die Einschätzung des Geleisteten. Sind alle Kollegen gewohnt, auch bei anderen Gelegenheiten ein realistisches Feedback von Kollegen oder von Ihnen zu bekommen, lernen sie, dies als Hilfe zur persönlichen Entwicklung und zur Qualitätssteigerung von Unterricht zu nutzen. Ist an Ihrer Schule die „offene Klassenzimmertür“ selbstverständlich, gewöhnen sich Ihre Lehrkräfte an Besucher im Unterricht, z.B. wenn Sie neue Methoden im Englischunterricht erproben. Noch gezielter wird Feedback bei der kollegialen Hospitation gegeben. Regen Sie außerdem als Vorläufer die Selbstevaluation an, z.B. 1-mal in der Woche. Auch verschiedene Formen des Schülerfeedbacks eignen sich hierzu.

Geben Sie die Kriterien guten Unterrichts bekannt

„Unterricht ist persönlich und individuell.“ Solchen Worten Ihrer Kollegen können Sie guten Gewissens zustimmen. Doch ergänzen Sie: „Es ist richtig, viele Wege führen nach Rom. Doch nicht jeder Weg führt nach Rom!“ Sehr wohl gibt es wissenschaftlich fundierte Kriterien für guten Unterricht. Diese legen Sie bei der Einschätzung von Unterricht zu Grunde. Zeigen Sie auf, dass Sie auch darauf schauen werden, wie die Lernergebnisse ausfallen. Faktenwissen ist ebenso gemeint wie fachliche Kompetenzen.

Verdeutlichen Sie, was noch zählt

Unterrichten und Erziehen sind die Arbeitsschwerpunkte Ihrer Lehrer. Deshalb zählen die Leistungen in diesen Bereichen auch am meisten. Doch natürlich sprechen Sie in der dienstlichen Beurteilung und im Leistungsbericht auch an, wie Ihre Lehrkräfte die Aufgaben bewältigen, die neben dem Unterricht und vor allem in der Schulentwicklung anfallen. Besonders betrachten Sie auch, wie sie übertragene Aufgaben meistern, in denen sie Verantwortung übernehmen.

Informieren Sie über Recht und Zweck

Erläutern Sie die rechtlichen Eckpunkte der dienstlichen Beurteilung und des Leistungsberichts, die beamtenrechtlich festgelegten Fakten. Stellen Sie dabei die Funktion der beiden Beurteilungsformen heraus: Was Sie unter „Leistung“, „Befähigung“ und „dienstliche Verwendung“ in der dienstlichen Beurteilung schreiben, gewinnt vor allem bei der Bewerbung um ein Beförderungsamt an Bedeutung. Der Leistungsbericht stellt für die Lehrkraft in erster Linie eine Würdigung ihrer Arbeit dar. Mit Sicht auf Schule und Unterricht geht es außerdem um Qualitätssicherung. Betätigen Sie sich als „Schatzsucher“ statt als „Defizitfahnder“ Zücken Sie den Notizblock nicht nur dann, wenn ein Kollege gerade in ein Problem verwickelt ist oder einen Fehler gemacht hat. Andernfalls wird eine Vertuschungskultur um sich greifen. Betätigen Sie sich stattdessen mehr als Schatzsucher. Lenken Sie Ihre Aufmerksamkeit auf das, was einem Kollegen gelingt. Sehen Sie seine Erfolge und Stärken, anstatt in erster Linie nach seinen Schwächen zu fahnden. Lassen Sie dies die Kollegen wissen. Führen Sie regelmäßig Zielvereinbarungsgespräche. Geben Sie ihnen dabei Gelegenheit, ihre Leistung darzustellen. So erfahren Sie von Aktionen und Besonderheiten, die Ihnen bisher verborgen blieben. Äußern Sie Kritik rechtzeitig. Zeigen Sie aus Ihrer Sicht auf, wo sich die Lehrkraft noch verbessern oder engagieren kann. Mit Zielvereinbarungen fasst die Lehrkraft Verbesserungen ins Auge. Nach einem vereinbarten Zeitraum betrachten Sie dann gemeinsam das Resultat, zuletzt bei der dienstlichen Beurteilung.

Eröffnen Sie Perspektiven und lassen Sie Ihre Lehrer spüren, dass Ihnen ihre Weiterentwicklung ein Anliegen ist!


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