Freiarbeit als Fach mit Begabungsförderung

23.01.2018

Auch Ihrer Schule liegt das selbstständige Lernen Ihrer Schüler am Herzen. Sicherlich machen Sie sich deshalb Gedanken, wie Sie Ihre Schüler zusätzlich unterstützen können neben den Initiativen Ihrer Kollegen, die in ihrem Unterricht selbstständiges Lernen immer wieder fördern. Sie als Schulleitung können Maßnahmen treffen, dass selbstständiges Lernen konzeptionell an Ihrer Schule verankert wird.

Dies stellen Sie sicher, indem Sie Freiar­beitsstunden fest im Stundenplan aller Klassen verankern. Nutzen Sie diese dann noch im Sinne einer wichtigen Begabungsförderung, haben Sie ein Konzept, das nur wenige Schulen aufweisen können. Dieser Beitrag zeigt auf, wie Sie die Freiarbeit als Fach mit Begabungsförderung an Ihrer Schule implementieren können.

Erziehung zur Selbstständigkeit ist in den meisten schulischen Leitlinien aller Bundesländer als übergreifendes Lernziel verankert. Und dies zu Recht. Wir brauchen selbstständige Schüler, die in der Lage sind, sich selbst Informationen zu beschaffen, selbstständig zu lernen, im Team zu arbeiten sowie Probleme zu erkennen und zu lösen. Dies ist mit zu­nehmendem Verbleib im Schulsystem immer wichtiger, auch und vor allem später in der Oberstufe. Die Selbstständigkeit kommt aber nicht von allein. Sie hat 2 Voraussetzungen:

  • Sie als Schule müssen Ihren Schü­lern echte Spielräume geben, dass sie selbstständig arbeiten können.
  • Sie müssen Ihre Schüler zu selbststän­digem Lernen anleiten und sich dann Schritt für Schritt zurücknehmen.

Freiarbeit im Stundenplan verankert

Eine Möglichkeit, die beides berücksichtigt, ist eine Verankerung von Freiarbeit an Ihrer Schule. Diese Veranke­rung meint nicht, dass Freiarbeit eine Methode ist, die Ihre Kollegen gelegentlich oder immer wieder einmal im Unterricht anwenden. Und somit gesagt werden kann, dass Freiarbeit eine gän­gige Methode an Ihrer Schule ist.

Die Verankerung bedeutet, dass Ihre Schule ein Konzept implementiert, bei dem die Freiarbeit an Fächer angeglie­dert fest im Stundenplan verankert ist und dort auch erscheint.

Dies im Detail auszuarbeiten könnte durch eine Projektgruppe geschehen, die das inhaltlich vorbereitet und dem Kollegium vorstellt.

Letztendlich muss das neue Konzept natürlich in der Gesamtkonferenz in letzter Instanz von Lehrern, Eltern und Schülern gemeinsam verabschiedet werden.

In den weiteren Ausführungen sol­len sie hierzu Ideen und Beispiele be­kommen:

Stunden festlegen: Gehen wir davon aus, dass die Freiarbeit 4-mal in der Woche an Ihrer Schule als Unterrichtsstunde stattfinden soll, dann müssen Sie zu­nächst 4 Fächer festlegen, die eine Stun­de Ihres Fächerkanons als selbstständi­ge Übungsstunde für Schüler einsetzen. Dies sind bevorzugt die Hauptfächer, allein schon deshalb, weil sie die höchs­te Stundenzahl im Stundenplan haben.

Beispiel: In der Klasse 5 bezieht sich die Freiarbeit z. B. auf die Fächer D, E, Ma und Gesellschaftslehre, weil diese in der Stundentafel die meisten Unter­richtsstunden haben.

Die Freiarbeit mit Inhalten füllen: Jetzt gilt es zu organisieren, wann und wo die Schüler ihre Freiarbeitsaufgaben erhal­ten. Dies sollte im Kollegium bespro­chen sein.

Beispiel: In der letzten Unterrichts­stunde schreiben die Fachlehrer der Fächer der Freiarbeit jeweils die für die Schüler selbstständig zu erledigen­den Übungsaufgaben in einem fest in­stallierten Bereich (Freiarbeitstafel) im Klassenzimmer an.

Legen Sie die Zielsetzungen der Frei­arbeit in diesen Stunden fest, die dann auch bei der Aufgabenstellung von Ihren Kollegen berücksichtigt werden müssen.

Beispiel:

  • Anleitung unserer Schüler zum selbstständigen, eigenverantwortli­chen Lernen
  • Erwerb und Anwendung von me­thodischen Kompetenzen
  • Entwicklung der sozialen Kompe­tenzen
  • Förderung lernschwächerer wie auch besonders begabter Schüler

Freiarbeit mit Begabungsförderung

Begabungsförderung: Die Freiarbeit an sich hat schon einen großen Stellenwert, weil sie die Schüler zur Selbstständigkeit und Selbstverantwortung führt. Auch das Erlernen von Strategien in punkto Zeitmanagement erfolgt mit der Zeit. Der Wert der Freiarbeit, die Sie in Ih­rem Stundenplan nun konzeptionell verankert haben, erfährt dadurch eine zusätzliche Steigerung, indem Sie die Freiarbeit so differenzieren, dass sie zur wichtigen Begabungsförderung beiträgt.

Beispiel: Es werden jeweils Grund­übungsaufgaben angeschrieben, die alle Schüler bis zum Ende der Woche erle­digt haben müssen. Zusätzlich schreibt jeder Lehrer Zusatzaufgaben an, die ein Schüler im Sinne der Begabtenför­derung auswählen kann, wenn er alle Grundaufgaben erledigt hat. Die Schü­ler haben nun 4 Freiarbeitsstunden in der nächsten Woche zur Verfügung, die gestellten Aufgaben zu erledigen. Die Schüler entscheiden selbst, wann sie was erledigen. Es liegt in ihrer Verant­wortung, am Ende der Woche mit allen Aufgaben fertig zu sein.

Kontrolle der Freiarbeit

Die Freiarbeit muss kontrolliert sein. Dies geschieht als Form der Wertschät­zung des selbstständigen Arbeitens der Schüler.

Beispiel:

  • Nutzen Sie Möglichkeiten der Selbstkontrolle.
  • Nutzen Sie Möglichkeiten der Partnerkontrolle.
  • Sprechen Sie die erledigten Aufga­ben in der letzten Fachstunde mit den Schülern durch.
  • Sammeln Sie in jeder Woche 3–5 erledigte Freiarbeitsaufgaben Ihres Fachs ein und kontrollieren Sie die­se.

Beispiele von Freiarbeitsaufgaben

  • Deutsch: Schreibe einen Brief an dei­ne gute Freundin, die im Kranken­haus liegt. Beachte dabei die Struk­turmerkmale, die wir gemeinsam erarbeitet haben. Wenn du fertig bist, lies den Brief einem Mitschüler vor und bespreche ihn mit ihm.

Begabungsaufgabe: Schreibe einen Brief an unsere Ministerpräsidentin. Arbeite heraus, wie sich dieser Brief von dem Brief an die Klassenkame­radin unterscheidet, und bereite dies für einen Vortrag vor.

  • Mathematik: Übe im Buch Seite 26, Nummer 4–8 die Aufgaben zu den gleichnamigen Brüchen. Rech­ne immer 3–4 Aufgaben. Wenn du merkst, dass es klappt, gehe zur nächsten Aufgabe. Ansonsten übe noch an dieser Aufgabe.

Begabungsaufgabe: Schaue dir auf Seite 27 des Buches an, wie du aus ungleichnamigen Brüchen gleichna­mige Brüche machen kannst. Wenn du Fragen hast, notiere sie oder be­reite einen kleinen Vortrag zu die­sem Thema vor.

  • Englisch: Schreibe die neuen Voka­beln zur Unit 4, Seite 143 unten bis Seite 144 oben, in dein Vokabelheft. Übe danach die Vokabeln für dich selbst. Dann suche einen Mitschüler und hört euch gegenseitig ab. Übe zum Schluss Übung Nummer 3 im Workbook Seite 19.

Begabungsaufgabe: Schreibe eigen­ständig 10 Sätze nach dem Muster der Übung im Workbook. Wenn du es dabei schaffst, noch einige neue Vokabeln zu verwenden, ist das pri­ma!

  • Naturwissenschaften: Male das Bild des Wasserkreislaufs aus dem Buch Seite 112 in dein Heft und beschrifte es. Schau dir das Schaubild an und notiere dir Fragen dazu.

Begabungsaufgabe: Bereite auf der Grundlage des Schaubildes einen Vortrag zum Wasserkreislauf vor. Suche und nutze dazu weitere In­formationen aus den ausliegenden Zusatztexten oder suche selbst im Internet.

  • Gesellschaftslehre: Bearbeite das Arbeitsblatt zu den Bundesländern: Schneide die einzelnen Bundeslän­der exakt aus und klebe sie auf das zweite Arbeitsblatt mit dem Umriss der Bundesrepublik Deutschland. Suche im Atlas nach den Hauptstäd­ten und trage sie am richtigen Ort in der Zeichnung ein.

Begabungsaufgabe: Suche dir ein Bundesland aus und bereite mit dem ausliegenden Strukturblatt und den zusätzlichen Texten einen kleinen Vortrag zu deinem ausgesuchten Bundesland vor.

Die Aufgabenstellung in der Freiarbeit sollte immer wieder auf pädagogischen Konferenzen und Fachkonferenzen ein Thema sein. Manche Kollegen tuen sich schwer, Aufgaben zu finden, die ein selbstständiges schülerzentriertes Arbeiten ermöglichen. Hier hilft ein gemeinsames Erarbeiten und ein ex­emplarischer Aufgabenpool in allen Fächern, auf den Kollegen als Ideenpool zurückgreifen können. Außerdem wir dadurch die fachliche Teamarbeit im Kollegium gestärkt.

Fazit

Freiarbeit ist eine gute Möglich­keit, dass Ihre Schüler selbstständiges Arbeiten erlernen und üben können, ebenso wie die Entwicklung eines Zeit­managements. Vor allem aber ist eine solche Form der Freiarbeit, wie sie hier im Artikel vorgestellt wird, mit festge­legten Stunden im Stundenplan, eine konzeptionelle Verankerung Ihrer Be­mühungen zur Erziehung Ihrer Schüler zur Selbstständigkeit. Sie wird von allen Klassen und Kollegen durchgeführt und wird damit Teil Ihres Schulprofils. Da­mit dürfen Sie dann auch gern in der Öffentlichkeit werben.


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