Unterrichtsprojekt: So verhindern Sie digitales Burnout Ihrer Schüler

21.11.2016
Etwa 5 % der deutschen Kinder und Jugendlichen leiden unter krankhaften Folgen ihrer Internetnutzung. Außerdem: Etwa jedes zehnte Kind nutzt das Internet, um vor Problemen zu fliehen. Bei 7 % der Kinder gefährdet die Onlinewelt eine wichtige Beziehung oder eine Bildungschance, wobei die Jungen doppelt so häufig betroffen sind.

Diese Erkenntnisse brachte eine Studie der Deutschen Angestellten- Krankenkasse (DAK-Gesundheit) und des Deutschen Zentrums für Suchtfragen zutage. Die Daten wurden im Rahmen einer „Elternbefragung zur Computernutzung bei 12- bis 17-Jährigen“ bei 1.000 Personen erhoben.  Zwar stehen die Eltern unter Handlungsdruck. Doch unterstützen Sie sie dabei, denn der übermäßige Smartphone-Gebrauch beeinträchtigt die Qualität der Hausaufgaben, des Lernens sowie die Konzentration und somit auch die schulischen Leistungen.

Was die DAK-Studie nachgewiesen hat, können Sie wahrscheinlich auch aus Ihren Erfahrungen in Elternsprechstunden und durch Erzählungen der Schüler nachvollziehen: Intensive Computernutzung führt in vielen deutschen Familien zu Problemen. Die Hälfte der befragten Eltern gibt an, dass das Kind länger online bleibt, als es sich vor genommen hat. 22 % der 12- bis 17-Jährigen fühlen sich ruhelos, launisch oder gereizt, wenn sie ihre Internetnutzung reduzieren sollen. Bei 11 % der Befragten hat das Kind mehrfach erfolglose Versuche unternommen, seine Internetnutzung in den Griff zu bekommen. Nutzen Sie diese Daten und Fakten aus der Studie als Ausgangspunkt für ein Unterrichtsprojekt an der ganzen Schule: „Immer online? – Nein danke!“

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Projekt: Digitales Burnout von Schülern

Widmen Sie dem Projekt 2 pädagogische Konferenzen – eine, um es zu starten, und eine am Ende des Jahres, in der die Lehrer ihre Erfahrungen bei der Realisierung austauschen und über die Weiterführung nachdenken. Übertragen Sie die Konzeption einem Team. Beziehen Sie auch die Schülervertretung und die Klassenelternsprecher mit in die Erstellung der Konzeption und Planung ein. Übertragen Sie die Durchführung verbindlich auf jeden Klassenlehrer.

Das Unterrichtsprojekt „digitales Burnout“ vernetzen

Lassen Sie das Projekt nicht zur Eintagsfliege werden. Kombinieren Sie es mit Elternabenden zu dieser Thematik. Dass Eltern Unterstützung brauchen, geht aus der DAK-Studie deutlich hervor: Viele fühlen sich hilflos und scheuen den Konflikt mit ihren Kindern. Ermutigen Sie Eltern dazu, mit Konsequenz auf die übermäßige Nutzung des Smart-Phones und des Computers zu reagieren:
  • Kein PC im Kinderzimmer, so dass eine Kontrolle des Gebrauchs durch die Eltern möglich wird.
  • Kein Smart-Phone während der Hausaufgaben. Es wird bei den Eltern hinterlegt.
Führen Sie außerdem in der Schule eine gezielte Medienerziehung durch, in der Ihre Schüler den konstruktiven Umgang mit dem Internet, mit Handy und Tablet lernen und trainieren.

Muster-Stundenskizze für die ganze Schule: „Immer online? – Nein danke!“

Beginn: Wichtigste Zahlen und Fakten aus der DAK-Studie
  • Reflexion über die Aussagen / über die eigene Situation
  • Ziel der Stunde: Verhalten reflektieren / Selbstverpflichtung aufstellen

1. Teilziel: Gestörtes Freizeitverhalten / Sucht als solche erkennen
  • Kurzreferat über die Kennzeichen von Sucht
  • Suchtgestörtes Sozial- / Freizeitverhalten

2. Teilziel: Verschiedene suchtartige Verhaltensweisen in Bezug auf Internet kennen und darüber reflektieren
  • Schüler halten vorbereitete Kurzreferate über SMS-, Handy-, Chat-, Online-Spielsucht
  • Besondere Aspekte: Was macht Spaß? Wie wird es gemacht? Welche Gefahren lauern?
  • Wie viel ist normal?
  • Reflexion und Diskussion über die Wirkung von unangemessenem Verhalten auf andere anhand eines Fragenkatalogs (siehe unten)
  • Reflexion über das eigene Verhalten mit Hilfe einer Checkliste

3. Teilziel: Kompetent mit dem Internet umgehen
  • Aussagen aus der DAK-Studie über Konfliktpotenzial Handy / Internet / Computer zwischen Eltern und Schülern
  • Reflexion / Diskussion über konkrete Konfliktanlässe
  • Gemeinsam Lösungsansätze finden: 10 goldene Regeln für Handy & Co (s. Musterregeln im Kasten)
Zusammenfassung: Was macht es so schwer, die guten Vorsätze umzusetzen? Was kann helfen?

Fragenkatalog: Anstöße zur Reflexion über das Smssen

Was sagst du dazu, wenn …
  • deine Freundin / dein Freund oder jemand anders, mit dem du dich gerade unterhältst, eine SMS oder eine WhatsApp liest?
  • deine Freundin / dein Freund oder jemand anders, mit dem du dich gerade unterhältst, eine SMS oder eine WhatsApp schreibt?
  • du von jemand eine SMS / eine WhatsApp erhältst, der mit dir flirten will oder auf Partnersuche ist?
  • dir jemand, den du nicht kennst, eine Einladung zum Flirten schickt – antwortest du?
  • dein Partner eure Beziehung per SMS / WhatsAPP beendet? Würdest du das tun?
  • vor dir an der Supermarktkasse eine Kundin ihre Ware sehr langsam einhändig in den Einkaufswagen legt, weil sie mit der anderen Hand das Handy am Ohr hat und telefoniert?
  • in der Straßenbahn / im Bus jemand ausgedehnt und laut telefoniert?

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