Underachiever: Wenn ein Kind weit unter seinen Möglichkeiten bleibt

31.01.2018

Immer noch ist das Underachievement ein Problem, das für Lehrer nicht leicht zu erkennen ist. Sie sollten hellhörig werden, wenn Ihnen Folgendes auffällt: Einer Ihrer Schüler scheint intelligent zu sein, brilliert manches Mal mit tollen Antworten, er schreibt aber kaum bessere Tests als die anderen Kinder. Prüfen Sie in diesem Fall, ob er schlechtere Leistungen erbringt, als er eigentlich könnte.

Erst wenn Sie auf dieses Phänomen aufmerksam werden, kann dem Kind geholfen werden, sein gesamtes Potenzial auszuschöpfen. Viele Kinder, bei denen Underachievment auftritt, haben allerdings den Glauben an sich selbst verloren. Sie wissen nicht, dass sie herausragende Leistungen erbringen können. Als Lehrkraft stehen Sie in einem solchen Fall vor einer besonderen Herausforderung. Nutzen Sie den Test, um einen Schüler auf Underachievement zu testen.

Vielleicht haben Sie auch einen Schüler, der zwar stets die richtige Antwort weiß, doch sich nie freiwillig meldet. Dies könnte ein Hinweis auf eine besondere Form von Lernstörung sein. Wenn einer Ihrer Schüler bei seinen schulischen Leistungen unter dem Niveau seiner intellektuellen Möglichkeiten bleibt, könnte er ein Underachiever sein.

So erkennen Sie einen Underachiever

Diese besondere Form von Lernstörung lässt sich nicht immer leicht erkennen. Das liegt vor allem daran, dass Ihnen als Lehrkraft das eigentliche Potenzial des Kindes gar nicht unbedingt bewusst sein kann. Zeigt ein Schüler in Ihrer inklusiven Klasse durchweg keine guten Leistungen, würden Sie vielleicht vermuten, dass er zu besseren fähig ist. Gerade deshalb ist es wichtig, dass Sie bei Hinweisen auf Underachievement, der Sache nachgehen. Mithilfe des folgenden Tests können Sie feststellen, ob Ihr Schüler möglicherweise von Underachievement betroffen ist.

Zeigt Ihr Schüler folgende Merkmale:

  • Mein Schüler weist Beeinträchtigungen in mehreren Schulfächern auf.
  • Die besten Leistungen zeigt das Kind in Fächern mit wenig Leistungsdruck (z. B. Kunst, Sport, Musik, Religion).
  • Die durchschnittlichen bis unterdurchschnittlichen Leistungen hängen zusammen mit Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben.
  • Im außerschulischen Bereich ist er in der Lage, besondere (intellektuelle) Leistungen zu bringen (z. B. ein anspruchsvolles Instrument oder Schach zu spielen).
  • Mein Schüler meldet sich nie oder nur selten auf eigene Initiative hin.
  • Er weiß allerdings die richtigen Antworten, wenn ich ihn frage (oft sehr gute Ideen, breites Wissen).
  • Mein Schüler zeigte in früheren Schuljahren überdurchschnittliche Leistungen.
  • Das Kind ist besonders bei der Einführung neuer Themen interessiert und aktiver im Unterricht.
  • Der Schüler weist eine hohe Auffassungsgabe auf.
  • Er neigt dazu, schnell „abzuschalten“, und wirkt häufig geistig abwesend.
  • Mein Schüler beginnt oft schnell mit seiner Aufgabe, führt sie aber nicht zu Ende.
  • Das Kind kann nicht (gut) über das eigene Lernen reflektieren und schätzt seine Leistung häufig falsch ein.
  • Mein Schüler hat ein schlechtes Bild von sich selbst.
  • Mein Schüler kann Lob schlecht annehmen.
  • Seine Eltern oder anderen Bezugspersonen weisen auf die Expertise und besonderen Fähigkeiten des Kindes hin.
  • Ein Fachlehrer ist auf eine besondere Begabung bei meinem Schüler aufmerksam geworden (z. B. der Kunst-, Sport- oder Musiklehrer).

Auswertung:

Weist Ihr Schüler weniger als 5 dieser Merkmale auf, sollten Sie die Situation noch einige Zeit weiter beobachten und den Test nach ca. 4 Monaten wiederholen. Haben Sie mehr als 5 Fragen mit Ja beantwortet, gehen Sie folgendermaßen vor:

Testen Sie die Intelligenz des Kindes

Haben Sie beim Test festgestellt, dass Ihr Schüler mehrere der typischen Merkmale für Underachievement aufweist, sollten Sie einen Intelligenztest durchführen lassen. Dies können der Schul- oder ein Kinder- und Jugendpsychologe übernehmen. Spricht das Ergebnis für einen hohen Intelligenzquotienten, trotz schlechter Schulleistungen, ist Ihr Schüler mit großer Wahrscheinlichkeit ein Underachiever.

Holen Sie die Eltern ins Boot

Um einen Intelligenztest beim Kind durchführen zu lassen, brauchen Sie natürlich die Einwilligung der Eltern. Darüber hinaus ist es wichtig, mit diesen bei allen Maßnahmen Rücksprache zu halten, da sich gemeinsam mehr erreichen lässt. Die Eltern haben ein großes Interesse daran, dass ihr Kind nicht länger unter seinen Möglichkeiten bleibt.

Dazu ist eine enge Zusammenarbeit nötig: Die Art und Weise, wie Eltern zu Hause über Leistungen sprechen und welche Erwartungen sie dem Kind gegenüber kommunizieren, können Auswirkungen auf sein Selbstbild und sein Leistungsverhalten haben.

Diese Hintergründe sollten Sie kennen

Sie möchten Ihrem Schüler helfen, seine Leistungen so zu steigern, dass er sein kognitives Potenzial ausschöpft. Dazu sollten Sie wissen, wie Underachievement zustande kommt. Ein Schüler, der diese besondere Form der Lernstörung zeigt, hat in der Regel mit 5 großen Problemen zu kämpfen:

Es mangelt an Lernstrategien

Ihr Schüler hat vermutlich Kenntnis über die notwendigen Strategien zum Lösen einer Aufgabe, doch er kann sie nicht einsetzen. Ihr Schüler erkennt nicht, welche Strategie ihm im speziellen Fall helfen kann. Dies gilt meist für alle Lese-, Rechen- und (Recht-)Schreibstrategien.

Es fehlt an metakognitiven Strategien

Ihr Schüler ist nicht in der Lage, seine Arbeit zu planen und zu reflektieren. Oft beginnt er übereilt und bricht die Aufgabe ab, bevor sie fertig ist. Ihr Schüler hat kein Gefühl dafür, sich Zeit entsprechend einzuteilen. Er findet eigene Fehler nicht und bemerkt auch selten, wenn er (Teil-)Aufgaben ausgelassen hat.

Es liegt eine negative Selbstwirksamkeitserfahrung vor

Ihr Schüler führt Misserfolge auf einen Mangel an Fähigkeiten zurück. Erfolg ist für ihn Glück, Zufall oder das Produkt einer sehr leichten Aufgabe. Er schätzt sich selbst schwächer ein, als er ist. Die schwachen Leistungen, die er zeigt, bestätigen seine Annahme. Damit entsteht ein Teufelskreis. Das Kind erwartet von sich selbst keine guten Leistungen mehr und erzielt dadurch auch immer seltener welche.

Sein bevorzugter Weg zu lernen ist anders

Ihr Schüler schaltet im Unterricht schnell ab, wenn er nicht ausreichend angesprochen wird. Dies geschieht schnell, wenn lange Übungsphasen anstehen oder ein Unterrichtsgespräch im fragend-entwickelnden Unterricht zu langatmig wird. Ihr Schüler verliert das Ziel aus den Augen und schweift gedanklich ab. Bei neuen Themen wird sein natürliches Interesse geweckt. Er ist aufmerksam und nimmt am Unterrichtsgespräch teil. Sobald eine leichte Unterforderung eintritt, kann Ihr Schüler das Interesse nicht aufrechterhalten.

Fazit

Underachievement ist eine besondere Form von Lernstörung, die für Sie als Lehrkraft schwer zu erkennen ist. Liegen Hinweise darauf vor, sollten Sie das Leistungsvermögen und -verhalten des Kindes unbedingt genauer untersuchen. So können Sie Ihrem Schüler helfen, die Leistungen abzurufen, die seinen kognitiven Möglichkeiten entsprechen.


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