Bleiben Sie am Ball! Wie zeitgemäß ist der Sportunterricht an Ihrer Schule?

08.08.2018

„Super! Endlich Sport!“, jubelt Lukas, als die Mathematikstunde zu Ende ist. Doch nicht jeder Schüler ist so be­geistert. „Ich habe Bauchweh und kann heute wieder nicht beim Sport mitmachen“, erklärt der übergewichtige Paul seinem Sportlehrer und übergibt ihm zum 8. Mal in diesem Schuljahr eine schriftliche Entschuldigung, die die Mutter am Morgen ausgestellt hat.

Ihre Sportlehrer kennen dieses Phänomen: Je älter die Schüler werden, umso mehr spaltet Sport die Schüler einer Klasse in Begeisterte und Vermeider. Denn wer gut ist im Sport, dem macht er Spaß. Wer aber stets als Letzter ins Ziel läuft und dem Fußball vergeblich hinterherhechelt, der ver­sucht, diese blamablen Situationen zu vermeiden.

Natürlich bemühten sich sensible Leh­rer schon immer, beiden Schülergrup­pen gerecht zu werden. Doch in den neuen Lehrplänen ist der Auftrag ex­plizit verankert, auch Sport-skeptische Schüler zur Bewegung zu motivieren. Ein weiterer Auftrag, den die Lehrplä­ne enthalten: Stellen Sie Sport in den Dienst der Erziehung. Sport eignet sich, um Lebenskompetenzen aufzubauen.

An Kompetenzen statt an Disziplinen orientieren

Die aktuellen Lehrpläne stellen den Kompetenzerwerb in den Mittelpunkt des Sportunterrichts. Waren Bewegungs­fertigkeiten und -fähigkeiten nicht schon immer Zielsetzung des Sportunterrichts! – Sicher, doch nun erhält der Sportun­terricht durch seine pädagogische Ak­zentuierung einen Doppelauftrag: Im hier abgebildeten Kompetenzstruktur­modell sind Kompetenzen, die sich um Gesundheit und Fitness, um Freizeit und Umwelt sowie um Fairness, Kooperation und Selbstkompetenz drehen, gleich­rangig mit den körperlich-motorischen Kompetenzen dargestellt. All dies soll im Rahmen der sportlichen Handlungs- und Bewegungsfelder, zu denen natür­lich auch die bekannten Disziplinen ge­hören, erlernt und trainiert werden.

Gegenstandsbereich: Gesundheit und Fitness

Die Schüler erwerben wesentliche Grundlagen gesundheitsorientierter sportlicher Betätigung. Hierzu gehört die Thematisierung gesundheitsförder­licher Ernährungsgewohnheiten ebenso wie das Aufzeigen von Gefahren durch übertriebene sportliche Aktivitäten.

Gegenstandsbereich: Fairness/ Kooperation/Selbstkompetenz

Die Schüler entwickeln „soziale und personale Kompetenzen wie Fair Play, Teamgeist, Selbstvertrauen, Zuverläs­sigkeit, Durchhaltevermögen, Leis­tungsbereitschaft, Verantwortungs- und Pflichtbewusstsein sowie die Fähigkeit, Konflikte zu lösen. Zudem wird die wertschätzende Haltung bezüglich der eigenen Leistungen und der Leistungen anderer vertieft.

Auch dieser Kompetenzkatalog wurde schon immer implizit im Sport­unterricht angestrebt. Neu daran ist die Betonung der expliziten Reflexion dar­über im Unterricht: Beispielsweise hal­ten Selbsteinschätzungsbögen und die gemeinsame Entwicklung von Bewer­tungskriterien bei der Durchführung sportlicher Übungen wie dem Hand­stand oder der Jonglage Ihre Schüler zur Reflexion über ihr eigenes Können an, ohne mit dem Zeigefinger oder der Notenliste zu winken. Hierher gehört bei älteren Schülern auch die kritische Betrachtung der Vorgänge im Leis­tungssport.

Gegenstandsbereich: Freizeit und Umwelt

Die Schüler lernen den Naturraum ihrer Schulumgebung kennen und zeigen ei­nen nachhaltigen und verantwortungs­vollen Umgang mit Natur und Umwelt. Hier finden auch Diskussionen über Umweltbelastungen – z. B. in den Alpen durch den Wintersport – statt.

Sportliche Handlungsfelder anstelle von sportlichen Disziplinen

Inhaltlicher Ausgangspunkt für den Kompetenzerwerb sind in den Lehrplä­nen nicht mehr die klassischen sportli­chen Disziplinen wie z. B. Leichtathletik oder Turnen. Vielmehr stehen dort Be­griffe wie „sportliche Handlungsfelder“ oder „Bewegungsfelder“; die Diszipli­nen sind als Beispiele eingeordnet. Die­se Handhabung zeigt eine Ausweitung Ihrer Möglichkeiten, Ihren Schülern auf vielfältige Weise Bewegungserfahrun­gen und den Erwerb von Bewegungsfer­tigkeiten zu ermöglichen und auch mo­derne Sportformen in den Unterricht einzubeziehen, beispielsweise Funktio­naltraining, bei dem sich Ihre Schüler wie im Fitnessstudio fühlen.

Mit und ohne Wettbewerbsorientierung

Sollen nun die Disziplinen der Leis­tungssportarten zugunsten leistungs­schwacher Schüler und erziehlicher Ziele aus dem Schulsport verschwin­den? Nein, nach wie vor spielt der Wett­bewerb auch im Schulsport eine große Rolle. Moderner Schulsport ist ein Mix aus wettbewerbsorientiertem Sport und anderen Bewegungsformen.


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