Transparente Notengebung

01.10.2011
Diese Konflikte sind für Sie sehr ärgerlich – doch aus Elternsicht geht es um die Zukunft des eigenen Kindes. Reduzieren Sie Noten-Konflikte auf ein Minimum durch ein Höchstmaß an Transparenz bei der Leistungsbewertung den Eltern gegenüber. Veranlassen Sie, dass Ihre Lehrkräfte in Stufen-Elternabenden über das schulhausinterne Konzept zur Notengebung informieren.

Geben Sie Gelegenheit zur Meinungsäußerung

Sprechen Sie in Ihren einführenden Worten die besondere Problematik der Leistungsbewertung an. Wählen Sie einen Aspekt aus, z.B. die wissenschaftlichen Diskussionen um die Objektivität der Leistungsbewertung, oder schildern Sie je ein eigenes Erlebnis mit Noten. Bitten Sie dann die Eltern um Stellungnahmen, was sie von der Leistungsbewertung erwarten, z.B. mit einer Pro-Contra-Fragestellung: „Noten – Fluch oder Segen für mein Kind?“ 2 Kollegen schreiben an 2 Flipcharts mit. Auf dem einen notieren sie die Pluspunkte, auf dem anderen die problematischen Seiten der Leistungsbewertung, wie z.B. die Entmutigung bei schlechten Noten. Fassen Sie die beiden Seiten zusammen und untermauern Sie das ein oder andere Argument durch Forschungsbefunde aus der Pädagogik.

Verdeutlichen Sie das Ziel der Schule bei der Notengebung

Beziehen Sie sich nochmals auf die Problematik der Leistungsbewertung, und verdeutlichen Sie das Ziel Ihrer Schule, die Nachteile für die Kinder möglichst gering zu halten und stattdessen auf die Vorteile zu setzen. Stellen Sie das vom Kollegium gemeinsam erstellte Schulkonzept Leistungsbewertung“ vor. Jeder Lehrer übernimmt einen Teil der Präsentation.

 

Sollten Sie mal Hilfe oder rechtssichere Ratschläge bei Lehrerbeurteilungen brauchen, finden Sie auf der CD-ROM "Dienstliche Lehrerbeurteilungen" wichtige Hinweise und Informationen.

Leisten – Leistungsbewertung erläutern

Zeigen Sie in einem Kurzreferat den Zusammenhang zwischen dem vom Lehrer initiierten und gesteuerten Lernprozess, der individuellen Schülerleistung und der Überprüfung des Lernerfolgs auf. Auf dieser Basis ruhen die Grundsätze der Leistungsbewertung an Ihrer Schule.

Über die Systematik der Notengebung informieren

Eltern erscheint es vor allem in der Grundschule oft willkürlich, wann und wie oft Klassenarbeiten geschrieben werden. Diese erscheinen wie Schicksalsschläge – unerwartet und unbeeinflussbar. Klären Sie sie über die Anzahl pro Fach, die Abstände, den Umfang der Stoffgebiete und die Dauer auf und begründen Sie dies. Erläutern Sie, wie die Leistungsmessung in die Stoff- und Kompetenzvermittlung eingebettet ist.

Die Anforderungen in Klassenarbeiten verdeutlichen

Bei Eltern und Kind ist die Enttäuschung nach Klassenarbeiten oft ähnlich groß. Ich habe alles gelernt. Doch der Lehrer hat ganz was anderes gefragt. Stimmt in gewisser Weise, denn in Klassenarbeiten fragen Sie nicht nur ab, was sich der Schüler gemerkt hat, sondern auch, ob er das Gelernte anwenden und auf andere Situationen übertragen kann.

Zeigen Sie die 4 Kompetenzstufen, die in einer Klassenarbeit gefordert werden, mit Hilfe von Folien auf:

  • Gelerntes wiedergeben (Reproduktion)
  • Kürzungen, Ergänzungen oder Vergleiche vornehmen (Reorganisation)
  • Grundprinzipien des Gelernten auf neue Zusammenhänge übertragen (Transfer)
  • Aufgaben mit neuen Strukturen selbstständig lösen (problemlösendes Denken)

Verdeutlichen Sie anhand von Beispielen, was diese in verschiedenen Fachbereichen bedeuten. Beispiele sind auch unverzichtbar, wenn Sie die Eltern mit den Bildungsstandards vertraut machen wollen. Zeigen Sie, wie sie in Ihrer Schule umgesetzt werden und ihr Erreichen überprüft wird.

Für Transparenz bei der Leistungsbewertung sorgen

Zeigen Sie anhand einer alten Vorlage auf, wie Sie die Punktezuordnung vornehmen und welchen Notenschlüssel Sie schuleinheitlich pro Fach und pro Jahrgangsstufe verwenden. Falls Sie den Notendurchschnitt nach Klassenarbeiten nicht bekannt geben, begründen Sie es z.B. mit dem zu starken Druck, der auf Kindern lastet, die schlecht abgeschnitten haben. Verdeutlichen Sie, dass Sie in solchen Fällen auf die individuelle Beratung in der Elternsprechstunde setzen.

Für Transparenz bei der Notengebung im Zeugnis sorgen

Eltern errechnen oft selbst den Notendurchschnitt für die Zeugnisnote und sind überrascht, wenn der Lehrer zu einem anderen Ergebnis kam. Zählen Sie auf, was außer den Klassenarbeiten noch zur Gesamtnote zählt:

  • mündliche Leistungen
  • Heftgestaltung
  • eventuell ein Portfolio
  • Beiträge in Gruppenarbeiten und Projekten

Geben Sie den Eltern Gelegenheit zu Rückfragen. Beenden Sie den Abend mit dem Angebot, in der Elternsprechstunde die individuelle Situation jedes Kindes zu besprechen.

Praxistipp: Absprachen treffen und verdeutlichen

Je deutlicher Sie z.B. durch die Gestaltung des Elternabends im Jahrgangsteam zum Ausdruck bringen, dass für alle Kinder dieselben Regelungen der Leistungsbewertung gelten, umso weniger müssen Sie mit Konflikten rechnen, die wegen Noten auf Sie zukommen. Dehnen Sie die Absprachen über Leistungsbewertung auch auf die Schulen in Ihrer Umgebung aus.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

Berichtszeugnisse auf dem Prüfstand

2. November 2011

Zeugnisse schreiben bedeutet für viele Lehrer Stress. Der pädagogische Auftrag, ein Kind individuell zu fördern und zu ermutigen, steht oft im Widerspruch zum gesellschaftlichen Auftrag von Schule, Ausleseentscheidungen... Mehr erfahren

Individuelle Leistungsbewertung

8. Dezember 2011

„Individuell lernen, ja – doch individuell bewerten, wie soll das gehen?“, wird so mancher Kollege fragen, wenn Sie beispielsweise in einer pädagogischen Konferenz diesen Gedanken an Ihr Lehrerteam herantragen. Die Antwort... Mehr erfahren

Schlüsselqualifikation formulieren

10. Oktober 2011

Betriebe legen bei ihren Auszubildenden zunehmend Wert auf Schlüsselqualifikationen. Diese wirken sich natürlich auch auf die Leistungsergebnisse aus, doch kommen sie in den Fachnoten nur unzureichend zum Ausdruck. Achten Sie... Mehr erfahren




Verlag PROSchule

Service: +49 (0) 228-95 50 130
E-Mail: info@schulleiter.de

© 2017, VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft