Konflikte im Klassenraum meistern

27.01.2012

Störungen im Unterricht gehören zum Arbeitsalltag jeder Lehrkraft. Um störungsfreies Lernen zu gewährleisten, müssen Pädagogen darauf reagieren und das Störverhalten in der Klasse entsprechend ahnden. Doch manchmal endet dies in empörten Elternbeschwerden und verstärktem Störverhalten von Schülern – nämlich dann, wenn sich Ihr Teammitglied im Ton vergriffen hat und selbst zum „Störfall“ wird. Sicher haben Sie auch schon vor der Aufgabe gestanden, mit dem betreffenden Kollegen sprechen zu müssen. Keine leichte Aufgabe … 

Was ist noch akzeptabel: Klären Sie die Sachlage

Bei Störverhalten in der Klasse durch die Lehrkraft gibt keinen anderen Beweis für das Fehlverhalten des Lehrers als die Aussagen des betroffenen Pädagogen, des Schülers und möglicher Zeugen. Doch Wahrnehmung und Empfindung aller Beteiligten sind subjektiv geprägt, was Wortwahl, Tonfall und Verhalten betrifft: Was eine Person bereits als Störungen im Unterricht wahrnimmt, betrachtet eine andere noch lange nicht als Störverhalten. 

Um störungsfreies Lernen wieder herzustellen, müssen Sie Ihren Mitarbeiter zum Gespräch zu bitten. Bedenken Sie, dass Kontext und Wahrnehmung eine große Rolle spielen und lassen Sie sich zunächst die Situation aus seiner Sicht schildern. Und auch wenn Sie Verständnis für das unangemessene Verhalten Ihres Teammitglieds haben, machen Sie deutlich, dass Sie ein solches Störverhalten seitens des Lehrkörpers nicht dulden und bei Störungen im Unterricht einen professionellen Umgangston erwarten.

So gehen Sie vor, wenn das Störverhalten bleibt

Behält Ihr Teammitglied sein Verhalten auch nach Ihrem Mitarbeitergespräch bei und ereignen sich weitere Vorfälle, in denen Schüler beleidigt werden, müssen Sie handeln. Finden Sie durch Beobachtungen und Gespräche mit dem Kollegen heraus, was sein Störverhalten in der Klasse und auf dem Pausenhof auslöst. Nur so können Sie das Problem gezielt angehen und die Voraussetzungen für störungsfreies Lernen wieder herstellen. Die folgende Übersicht nennt die 3 häufigsten Ursachen für das Fehlverhalten von Lehrkräften und erläutert, wie Sie am besten vorgehen.

Übersicht: die 3 häufigsten Ursachen für Fehlverhalten

1. Der Kumpeltyp
Ist das betroffene Kollegiumsmitglied ein junger Lehrer? Dann möchte er von seinen Schülern möglicherweise gern als Kumpel und nicht als Autoritätsperson gesehen werden. Dementsprechend bedient er sich eines burschikosen, flapsigen Tons und einer ebensolchen Wortwahl. Beide werden dann aber auch ihm gegenüber von den Schülern genutzt. Er wiederum erwartet Respekt von seiner Klasse – echtes Konfliktpotenzial im Umgang miteinander.   

So beheben Sie das Störverhalten: Um das Störverhalten in der Klasse aufzulösen, muss Ihr Mitarbeiter seine Führungs- und Vorbildfunktion den Schülern gegenüber annehmen: Er ist nicht Kumpel der Kinder und/oder Jugendlichen, sondern ein Erwachsener mit pädagogischem Auftrag. Möchte er von seinen Schülern akzeptiert und gemocht werden, muss er dies mit pädagogischen Mitteln erreichen.

2. Der Rachetyp
Dieser Lehrertyp handelt nach dem Motto „Gleiches mit Gleichem vergelten“: Fühlt er sich von einem Schüler provoziert, schlägt er mit gleichen Waffen zurück – und vergreift sich in Wortwahl und Tonfall. 

So beheben Sie das Störverhalten: Sicher muss sich Ihr Kollegiumsmitglied den unangemessenen Ton eines Schülers nicht bieten lassen und dem betreffenden Schüler in seiner Funktion als Lehrer Grenzen aufzeigen. Trotzdem ist auch hier professionelles Verhalten das Mittel der Wahl. Das bedeutet, sich Ton und Wortwahl zu verbieten und Konsequenzen folgen zu lassen – dies jedoch auf sachlicher Ebene. Nur so ist wieder eine Atmosphäre störungsfreien Lernens möglich. 

Tipp: Sie als Schulleiter können Ihre Lehrkräfte auf Schulebene durch entsprechende Maßnahmen bei der Förderung der Disziplin unterstützen, etwa durch eine intensive Sozialerziehung oder die Einrichtung eines Trainingsraums. 

3. Der Vorwurfstyp
Auf Störungen im Unterricht reagiert dieser Kollege mit Schuldzuweisungen und Vorwürfen statt mit Hilfe, etwa: „Der Schüler ist schuld, er ist einfach unbegabt, ich kann da nichts ändern.“ Hier fehlt das Verständnis für Problemkinder, Schuldige werden gesucht, keine Lösungen. So verhärten sich die Fronten zwischen Schüler und Lehrer.  

So beheben Sie das Störverhalten: Betrachtet Ihr Teammitglied das Störverhalten von Schülern nicht als Störfaktor, sondern als pädagogische Herausforderung, tritt eine sachliche Analyse an die Stelle der Schuldfrage: Ihr Kollege kann sein pädagogisches und psychologisches Wissen bei der Ursachenklärung anwenden. Denn um störungsfreies Lernen wieder herzustellen, sind Fehleranalysen und Förderpläne nötig. 

In unserer Checkliste „Coachen statt verurteilen – Intervention“ finden Sie einige nützliche Tipps zum Thema.


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