Gewaltfreie Konfliktbewältigung

11.05.2012

Schülerkonflikte gehen Sie am besten an, indem Sie Ihre Schüler bei der Konfliktbewältigung unterstützen und ihnen Wege aufzeigen, Streit auf gewaltfreie Art beizulegen.

Beispiel: In der 7c kommt es zu heftigen, wiederkehrenden Schülerkonflikten. Sie beschimpfen sich, und immer häufiger werden die Streitereien auch handgreiflich. Eines Tages beobachtet der Mathematiklehrer bei der Hofaufsicht, wie eine Art Massenschlägerei unter den Jungen ausbricht. Er kann keine Parteien erkennen. Jeder schlägt sich mit jedem. Erst nachdem er die aufgeheizte Situation etwas beruhigt hat, erkennt er 2 Jungen im Zentrum des Streits.

Bei Konflikten unter Schülern Beschuldigungen entzerren

Ein Gespräch in einer Gruppe mit vielen Einzelkonflikten führt in der Regel nicht zum Ziel. Jeder wird jeden beschuldigen und behaupten, dass er nur mitgemacht habe, weil ein anderer angefangen hat. Es wird nur immer lauter und hitziger. Machen Sie klar, dass Sie gar nicht entscheiden wollen, wer angefangen hat und wer schuld ist. Ihnen geht es nur darum, dass so etwas in Zukunft nicht mehr vorkommt. Sie wollen und können die einzelnen Schülerkonflikte untereinander nicht lösen. Diese Verantwortung bleibt bei den Schülern. Sie können nur den Rahmen für die gewaltfreie Konfliktlösung ihrer Schüler vorgeben, damit jeder seine eigenen Probleme lösen kann.

Beispiel: Der Mathematiklehrer erstellt eine Tabelle "Wer gegen wen" wie bei einem Turnierplan: In die 1. Zeile und 1. Spalte schreibt er jeweils alle Namen der beteiligten Jungen. Jeder Junge macht in "seiner" Spalte überall dort ein Kreuzchen, wo er mit dem Jungen, der in der Zeile genannt ist, einen Streit hat. Es werden 36 Einzelkonflikte sichtbar. Wenn er die alle selber lösen wollte, hätte er ziemlich viel zu tun.

Schüler in die Verantwortung nehmen

Schülerkonflikte zwischen 2 Schülern können in der Regel auch nur von den beiden gemeinsam geklärt werden. Wenn beide den nötigen Raum bekommen, ihre Sichtweise darzustellen, beruhigen sich die Gemüter meist schnell. Sie haben die Aufgabe, die Streithähne zu einem 2er-Gespräch zu ermutigen. Wie soll das aber bei einem solchen Haufen von Schülerkonflikten möglich sein? Das müssen die Schüler allein organisieren. Sie werden nur das Ergebnis kontrollieren.

Beispiel: Nachdem die Schüler ihre Konfliktpartner in der Tabelle identifiziert haben, ordnen Sie an, dass alle Schüler einmal langsam quer über den Hof und zurück gehen und dabei nacheinander mit allen Jungen sprechen, mit denen sie etwas klären wollen. Jeder soll dem anderen sagen, was er sich von dem Gegenüber wünscht. Weitere Spielregeln lauten: "Achte darauf, was die anderen sich von dir wünschen. Du darfst erst wieder hier ankommen, wenn du mit allen gesprochen hast, die du für eine Klärung brauchst. Es ist nicht erlaubt, ein Gespräch abzulehnen. Notfalls komm zu mir, damit ich dir helfe. Lasst euch Zeit."

Friedensvereinbarungen treffen

Die gegenseitigen Wünsche der einzelnen Konfliktpartner sollen schriftlich festgehalten werden. Nach dem Prinzip "Gibst du mir, geb‘ ich dir" setzen beide einen Vertrag auf, in dem sie sich gegenseitig für einen bestimmten Zeitraum versprechen, die Abmachung einzuhalten. Damit muss nicht der ganze Ärger gelöst sein. Wichtig ist, dass jeder Einzelne eine Erleichterung spürt, wenn der Vertrag eine Zeit lang eingehalten wird. So sind Ihre Schüler bei neuen Schülerkonflikten vielleicht eher bereit, sich auf eine ähnliche gewaltfreie Auseinandersetzung zu einigen.

Einhaltung des Abkommens belohnen

Konkrete Abmachungen können leicht überwacht werden. Die Einhaltung eines Vertrages scheint einfach zu sein, denn jeder muss nur eine Sache beachten. Die Streithähne / Kontrahenten müssen ja nicht gleich beste Freunde werden. Außerdem ist der festgelegte Zeitraum überschaubar. Machen Sie ein Wettspiel mit einer Punkteliste: Jeder erhält für die Einhaltung seiner Vereinbarung für jeden Tag 5 Tagespunkte von dem Vertragspartner. Alle, die mindestens 80% ihrer maximalen Punktzahl erreicht haben, dürfen z.B. zu einem Kino-Abend der Klasse mitkommen. Sollte der Vertrag wider Erwarten von Anfang an zu geringe Wirkung zeigen, müssen auch die Eltern in den Prozess mit einbezogen werden. Die Schüler müssen den Vertrag dann auch zu Hause zeigen.


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