Mit dem PuK-Konzept Schülerförderung neu denken

01.10.2018

Lange hieß die vorrangige Devise „Schwache Schüler fördern“. Dieser sozial gemeinte Denkansatz ist ebenso richtig wie falsch. Richtig ist, dass schwache, aber auch alle anderen Schüler individuell gefördert werden müssen. So formulieren es auch die Schulgesetze der Länder.

Das ausgewogene Postulat „Schwache fördern und Starke fordern“ mag in den letzten Jahren etwas aus dem Gleichgewicht geraten sein. Grund genug für Sie, sich das Förderkonzept an Ihrer Schule genau anzuschauen.

Echo-Erwartung

„Schülerförderung machen wir doch schon längst!“, werden Sie vermutlich jetzt denken. Damit kein Missverständnis entsteht: Ich meine damit nicht die Feststellung von Defiziten durch normierte Lern- und Förderempfehlungen zum Schulhalbjahr oder den Förderplan für einen Schüler, der nach längerer Krankheit wieder am Unterricht teilnimmt.

Hier soll es um die systematische Entdeckung von Schülerpotenzialen und die Entwicklung von Begabungen gehen. In jedem Schüler kann ein kleiner „Einstein“ stecken, und dem sollte Ihre Schule genauso viel Beachtung schenken wie dem Schüler, der mit Leistungsdefiziten kämpft.

Fördern Sie also nicht nur „am unteren Rand“, sondern auch darüber! Sprechen Sie mit Ihrer Talentsuche alle Schüler an, dann erschließt sich Ihnen manch unerkanntes Begabungspotenzial.

PuK: Die Botschaft für Ihre Schule

Was ist die Botschaft für Ihre Schule? Die Botschaft heißt „Pflicht und Kür“ (PuK).

Alle Schüler differenziert in den Schulfächern fördern – das ist der Pflichtteil.

Die Kür heißt: Begabungen auch außerhalb der Schulfächer entdecken und zu Stabilisatoren der Bildungsbiografie entwickeln. Das Prinzip gilt für alle Schulformen. Lassen Sie sich dabei von PuK und seinen Anregungen inspirieren. Hier wird der Teil „Schülerförderung im Pflichtbereich“ vorgestellt.

Potenziale fördern mit PuK (Begabungsförderung im Pflichtbereich)

1. Binnendifferenzierung – leicht gemacht

  • In Klassenarbeiten: Raten Sie Ihren Lehrkräften, bei der Konzeption von Klassenarbeiten nach dem 3-Stufen-Prinzip vorzugehen: 3 Aufgaben mit den Schwierigkeitsgraden leicht – mittel – anspruchsvoller (im Schnitt muss sich eine mittlere Anforderung ergeben).
  • In Hausaufgaben: Stärken Sie die Selbstständigkeit Ihrer Schüler durch Wochenplanarbeit mit der Zusatzaufgabe „Mein Optimax“.
  • Bei Gruppenarbeit: Geben Sie einer Hälfte der Gruppen eine durchschnittliche Aufgabe, der anderen eine anspruchsvollere. Beauftragen Sie Schüler, ihre Ergebnisse vorzutragen und Lösungswege zu erläutern.

2. Schüler-Tandem bringt Stärke

  • Regen Sie zur Bildung von Schüler-Tandems an. Wichtig ist Kooperationswille bei unterschiedlichen Leistungsniveaus.
  • Ihre Tandems arbeiten grundsätzlich zusammen bei: Partnerarbeit, Vorbereitung von Klassenarbeiten und Problemen bei Hausaufgaben. Sie informieren einander über versäumten Unterrichtsstoff im Fall von Krankheit.

3. Drehtür-Modell für den Blick in die Zukunft

  • Ermöglichen Sie nach Möglichkeit begabten Schülern stundenweise die Teilnahme am Unterricht einer höheren Klasse, vorzugsweise in ihrem Neigungsfach.
  • Holen Sie das Feedback des Fachlehrers ein, ob und in welchem Umfang der Schüler erfolgreich mitarbeiten konnte. 
  • Richten Sie sich danach, wenn es um die Fortsetzung oder Absetzung der Maßnahme geht.

4. Turbo für Sprungtalente

  • Manche Schüler lernen wie im Flug und können erfolgreich einen Jahrgang überspringen. Diesen Ausnahmefall sollten Sie mit Eltern und Schulaufsicht klären.

5. Vertiefungsstunden: Übung macht Gesellen und Meister

  • Sollten Sie Stunden „auf Halde“ liegen haben, verwenden Sie sie für Vertiefungsstunden, vorzugsweise in Deutsch und Mathematik.

6 Tipps aus dem Schulalltag

  1. Erarbeiten Sie ein Förderkonzept unter Beteiligung Ihrer Schulakteure.
  2. Stellen Sie dabei den Begriff der Breitenförderung in den Mittelpunkt. 
  3. Präsentieren Sie Ihr Konzept bei Ihrer Schulaufsichtsbehörde und lassen Sie es sich genehmigen.
  4. Fangen Sie klein an: Passen Sie die Ziele Ihren Ressourcen an.
  5. Bauen Sie stufenweise auf. Erst wenn das Erreichte gesichert übernommen ist, kann Weiteres hinzukommen. Wesentlich sind Beharrlichkeit und Stetigkeit.
  6. Orientieren Sie sich an Best-Practice-Beispielen (Links unten)

Nützliche Links zur Begabungsförderung 

  • an der GS Winsen (Aller): https:// www.gs-winsen.de/begabungsfoerderung.html 
  • am Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium Wiehl: https://dbgwiehl.de/schule/ schule/begabungsfoerderung.html 
  • an Zukunftsschulen in NordrheinWestfalen: https://www.zukunftsschulen-nrw.de/cms/front_content. php?idcat=138


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