7 Tipps für die Sprachförderung im Anfangsunterricht

05.09.2016

In allen Bundesländern hat die frühe Sprachförderung durch sogenannte „Vorkurse“ im Kindergarten einen hohen Stellenwert. Bauen Sie beim Schuleintritt auf dieser Basis auf und führen Sie die Sprachförderung mit hoher Priorität fort. Denn Kinder nicht deutscher Muttersprache sowie deutsche Kinder aus einem anregungsarmen Milieu brauchen in der Eingangsstufe auch weiterhin eine umfassende sprachliche Förderung.

Thematisieren Sie diesen Grundsatz im Stufenteam der 1. und 2. Klassen. Regen Sie den Austausch von Arbeitsmateria­lien, Spielen und Unterrichtskonzepten sowie kollegiale Hospitation an. Geben Sie die folgenden 7 Tipps an Ihre Lehr­kräfte weiter.

 

1. Tipp zur Sprachförderung: Deutliche Lehrersprache verwenden

Sprechen Sie deutlich, mit lebendiger Sprachmelodie und langsam. Formu­lieren Sie Ihre Aufträge kurz. Sie dürfen nur einen Schritt enthalten. Reflektieren Sie, ob Ihre Schüler alle Ihre gebrauch­ten Wörter verstehen, z . B. „Verwen- de ….“ oder „Ergänze …“. Gebrauchen Sie zunächst stattdessen Wörter, die auch Kindern mit Migrationshinter­grund aus dem Alltag bekannt sind, z. B. „Schreibe ….“ oder „Nimm …“.

 

2. Tipp zur Sprachförderung: Verstehen vor dem Starten

Vergewissern Sie sich, dass Ihre Anwei­sung von den Kindern verstanden wur­de, bevor sie mit dem Arbeiten loslegen. Lassen Sie den Auftrag von einigen Schülern wiederholen. Geben Sie erst danach das Startzeichen zum Arbeiten.

 

Inklusion in der Schule

 

3. Tipp zur Sprachförderung: Visuelle Hilfen als Lernbrücken einsetzen

Für Kinder mit Sprachrückständen sind visuelle Veranschaulichungen oder Symbole wertvolle Übersetzungshilfen für das Verständnis von Begriffen und Zusammenhängen. Oft dienen sie auch als Anker für das Langzeitgedächtnis.

 

4. Tipp zur Sprachförderung: Den Wortschatz erweitern

Kinder mit sprachlichen Rückständen, insbesondere Kinder mit nicht deut­scher Muttersprache bewegen sich oft in so genannten Sprachdomänen. Vie­le Wörter, die beim Lesen-, Schreiben-und Rechnen lernen auftauchen, sind ihnen unbekannt. Führen Sie deshalb die Szenerien, die in Ihrem Lehrwerk oder auf dem selbst gestalteten Übungs­blatt vorkommen, mit einer umfassen­den Wortschatzarbeit ein.

 

5. Tipp zur Sprachförderung: Im Feedback korrigieren

Lassen Sie grammatikalisch falsche Sät­ze nicht im Raum stehen. Ignorieren Sie den Fehler aber auch nicht. Bauen Sie den korrigierten Satz in Ihre Antwort ein. Wenn beispielsweise ein Kind sagt: „Mama nicht zu Hause ist.“ Antworten Sie: „Das stimmt. Deine Mama ist noch nicht zu Hause.“

 

6. Tipp zur Sprachförderung: Emotional stützen

Für manche Ihrer Schulanfänger müs­sen Sie besonders viel Geduld aufbrin­gen, wenn Sie sie aufrufen oder auf sie im Rahmen eines sonstigen Gesprächs eingehen. Haben Sie Geduld, wenn es etwas länger dauert, bis das Kind sein Anliegen kundgetan hat. Es lohnt sich, zuzuhören und ihm damit Wertschät­zung und Ermutigung für weitere Er­klärungen entgegenzubringen.

 

7. Tipp zur Sprachförderung: Mit weiteren Maßnahmen vernetzen

Sind unter Ihren Erstklässlern beson­ders viele Kinder mit Migrationshinter­grund, sorgen Sie dafür, dass Sie von der Schulbehörde zusätzliche Sprachförder­stunden (DAZ) genehmigt bekommen. Beobachten Sie bei einem deutschen Schüler einen auffälligen Sprachent­wicklungsrückstand, schalten Sie z. B. den „mobilen Sonderpädagogischen Dienst Sprache“ ein. Durch diesen Kol­legen erhalten Sie auch regelmäßig In­formationen über die Sprachstandsdia­gnose. Oder empfehlen Sie den Eltern, einen Logopäden aufzusuchen.

 

 

Fazit: Die Förderung der mündlichen Sprache und der Schriftspracherwerb gehen Hand in Hand.


Das sagen Ihre Kollegen:


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

Arabische Herkunft? So lernt Ihr Schüler schneller die deutsche Grammatik

24. Mai 2017

Für Ihren Schüler aus einem arabischen Herkunftsland kann die deutsche Grammatik eine besondere Herausforderung darstellen. Es gibt eine ganze Reihe von Unterschieden zwischen den beiden Sprachen, die Sie kennen sollten, um... So lernt Ihr Schüler schneller die deutsche Grammatik

Ach, du liebe Zeit! – So lernen Ihre Schüler in 3 Schritten, erfolgreich Stress zu vermeiden

27. Juli 2017

„Schule macht krank!“ Diese Schlagzeile lebt von Zeit zu Zeit erneut auf. Doch bei genauem Hinsehen zeigt sich, dass Schüler vor allem dann in Stress geraten, wenn sie mit ihrer Zeit nicht zurechtkommen, unwirksame... Mehr erfahren

Flüchtlingskinder: Sprachkenntnisse mithilfe von Sprachpaten verbessern

22. September 2016

Als Schule stehen Sie mit der Herausforderung, Kinder ohne Deutschkenntnisse zu fördern, nicht allein da. Vor allem ehrenamtliche Sprachpaten unterstützen Sie dabei. Falls es in Ihrer Umgebung noch keine Sprachpaten gibt,... Alles Wichtige zur Zusammenarbeit mit Sprachpaten




Verlag PROSchule

Service: +49 (0) 228-95 50 130
E-Mail: info@schulleiter.de

© 2017, VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft