So fördern Sie begabte Schüler über den Unterricht hinaus

05.04.2018

Für viele Eltern ist die Förderung ihrer begabten Kinder ein wichtiges Qualitätsmerkmal von Schule. Dieses ist zuweilen das ausschlaggebende Kriterium, an welcher Schule Eltern ihr Kind anmelden oder eben auch nicht. Mit Begabungsarbeitsgemeinschaften setzen Sie hierzu einen deutlichen Akzent, der auch in punkto Außenwirkung förderlich ist.

Natürlich betreiben Sie im Unterricht eine Binnendifferenzierung, um der He­terogenität Ihrer Schüler gerecht zu wer­den. Oftmals besteht aber die Gefahr, dass die vorgenommene Differenzie­rung hauptsächlich für die Schwächeren konzipiert ist und die begabten Schüler außer Acht lässt. Auch den Eltern von begabten Kindern wird Ihr Argument, dass Sie im Unterricht für alle Kinder differenzieren, meist nicht ausreichen. Sie als Schulleiter werden gefragt wer­den, was Sie konkret für die begabteren Schüler Ihrer Schule anbieten. Im Fol­genden bekommen Sie Anregungen, die auch gern nach außen getragen werden dürfen.

Begabungen passgenau fördern

Gerade begabte Kinder haben ein Recht auf ihre Förderung. Die Feststellung, die Ihren Lehrern vermittelt wird, dass be­gabte Kinder ja sowieso alles von allein lernen, stimmt nur bedingt. Gerade bei begabten Schülern ist es wichtig, ihre besonderen Fähigkeiten und Fertigkei­ten zu fördern. Hierzu sind z. B. Auf­gaben mit höherem Schwierigkeitsgrad notwendig. Begabte Schüler dürfen aus Zeitmangel nicht im Unterricht ver­nachlässigt werden. Sie als Lernpaten für andere Schüler einzusetzen ist zwar ein guter Gedanke, diese Maßnahme al­lein wird ihnen aber nicht gerecht.

Begabungsarbeitsgemeinschaften bieten Anreize

Mit sogenannten Begabungsarbeitsge­meinschaften fördern Sie Ihre begab­ten Schüler gezielt. Bieten Sie diese vor allem in den Hauptfächern (Deutsch, Mathematik, Englisch) an und organi­sieren Sie sie konzeptionell auch jahr­gangsübergreifend, z. B. für die Jahr­gangsstufen 1/2, 3/4, 5/6, 7/8 und 9/10. Selbstverständlich können Sie auch in anderen Fächern Begabungsarbeitsge­meinschaften anbieten.

Organisation und Inhalt einer Begabungsarbeitsgemeinschaft

Sollte Ihre Lehrkraft bei einem Schüler im Unterricht eine gewisse Begabung feststellen – Voraussetzung ist, dass es sich nicht um eine Hochbegabung han­delt –, so sollte diese gefördert werden. Das 1. Ziel besteht zunächst darin, die Begabung zu entdecken, um diese dann zu fördern. Hierzu werden die Eltern angeschrieben und ihnen das Ange­bot unterbreitet, dass ihr Kind an einer Begabungsarbeitsgemeinschaft teilneh­men kann. Mit der Einwilligung der El­tern wird die Teilnahme vollzogen.

Was die Inhalte betrifft, gibt es 2 Vari­anten, die auch im Wechsel stattfinden können:

  1. Variante: Der aktuelle Unterrichts­stoff wird aufgegriffen, und auf einem höheren, schwierigeren Niveau (Trans­ferbereich, komplexere Aufgaben, Rät­selaufgaben, kreative und offene Aufga­benstellungen) behandelt.
  2. Variante: Die Begabungsarbeitsge­meinschaft bietet in ihrem Fach eigen­ständige, anspruchsvolle Projekte an. Hierzu kann auch die Teilnahme an Wettbewerben gehören. Die Auswahl ist dabei vom Fach abhängig. So kann z. B. im Fach Deutsch eine anspruchsvolle Lektüre gelesen oder im Englischunter­richt der Einsatz eines Muttersprachlers („native speaker“) genutzt werden. Auch können hier spezielle Materialien zur Intelligenzförderung zum Einsatz kom­men. Beispielhaft dafür möchte ich das Nikitin-Material nennen, wo die natürli­che Neugier gefördert wird (www.nikitin material.de).

Die Begabungsarbeitsgemeinschaft kann durchaus parallel zum Unterricht statt­finden. Ein begabtes Kind hat kein Prob­lem damit, wenn es z. B. dafür eine regu­läre Deutschstunde versäumt.

Diese Förderung findet einmal in der Woche statt. Darüber hinaus ist es mög­lich, den Schülern, die daran teilneh­men, Materialien mitzugeben, die sie in ihrem Unterricht bearbeiten können, wenn sie dort mit dem Unterrichtsstoff fertig sind, vor allem in Übungsphasen.

Wenn Sie in den Lehrerwochenstunden nicht die Kapazitäten haben, die Bega­bungsarbeitsgemeinschaft wöchentlich durchzuführen, nutzen Sie das gleiche Modell z. B. in einer Projektwoche oder Sie organisieren sie einmal im Monat.


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