Kooperatives Lernen: Sozialkompetenz der Schüler fördern

14.05.2014

Die Schule muss auf das selbstbestimmte Leben in sozialer Verantwortung vorbereiten. Dieses Ziel lässt sich nur erreichen, wenn Ihre Schüler Gelegenheit bekommen, dies zu trainieren. Die Methoden des kooperativen Lernens eignen sich besonders dafür. Räumen Sie ihnen an Ihrer Schule einen hohen Stellenwert ein.
Fachliches und soziales Lernen kombinieren
Denken Sie kooperatives Lernen bereits bei der Unterrichtsvorbereitung mit: Wie lassen sich Aufgaben so stellen, dass fachliches und soziales Lernen zugleich gefördert werden? Auch wenn sich manches Wissen durch eine gut strukturierte PowerPoint-Präsentation und ein paar anschließende Arbeitsaufträge schneller vermitteln ließe, setzen Sie z. B. die Methode „Experten-Austausch- Gruppen“ ein. Dabei schlüpft jeder Schüler einmal in die Rolle des Lernenden und einmal in die des Lehrers. Dabei lernen Ihre Schüler die fachlichen Inhalte und trainieren nebenbei, Informationen aufzubereiten und auf ihre Mitschüler einzugehen.
Den Austausch untereinander systematisieren
Führen Sie „Think – Pair – Share“ als Standardmethode ein. Dieser 3-Schritt ist der Schlüssel zu nachhaltigem fachlichem und gleichzeitig zu sozialem Lernen. Wenn Sie z. B. die Ankündigung einer Berufs-Info-Börse erarbeiten lassen, gehen Sie in 3 Schritten vor:
1. Think: „Denke darüber nach, was in der Ankündigung enthalten sein muss, damit Interesse geweckt wird. Notiere die wichtigsten Stichpunkte.“
2. Pair: „Diskutiere deine Ideen mit einem Partner. Verständigt euch auf ein gemeinsames Ergebnis.“
3. Share: „Erarbeitet mit Hilfe eurer Ideensammlungen in einer 4er-Gruppe ein Plakat zur Ankündigung der Berufs-Info-Börse.“
So lernen Ihre Schüler, ihre Meinungen mit anderen auszutauschen und sich zu einigen, ohne in Streit zu geraten.
Die Gruppenbildung bewusst planen und gestalten
Nicht immer stoßen Sie mit dem Vorschlag „Gruppenarbeit“ bei Ihren Schülern auf Begeisterung. Nur allzu oft bekommen Sie zu hören: „Mit dem will ich nicht in eine Gruppe, der ist so langsam!“ Weichen Sie diesem Konflikt nicht aus. Gehen Sie den sensiblen Faktor „Gruppenbildung“ auf verschiedene Weisen an:

  • Setzen Sie vor allem am Schuljahresanfang Aktivitäten zum gegenseitigen Kennenlernen und zur Förderung der Klassengemeinschaft ein, z. B. durch einen Schullandheimaufenthalt oder ein Spielefest.
  • Wechseln Sie zwischen Neigungsgruppen und Zufallsgruppen ab. Bilden Sie anfangs häufiger Gruppen mit freier Wahl der Mitglieder. Reduzieren Sie diese allmählich immer mehr zugunsten einer zufälligen Zusammensetzung.
  • Lassen Sie Zufallsgruppen z. B. mit Hilfe von Farbpunkten oder Zahlen entstehen. Das „Schicksal“ wird eher akzeptiert als eine Anordnung, mit einem bestimmten Schüler zusammenzuarbeiten.
  • Stellen Sie Regeln der kooperativen Gruppenarbeit zusammen mit den Schülern auf. Achten Sie auf die konsequente Umsetzung, so dass sich jeder Schüler in die Gruppenarbeit einbringt.
  • Geben Sie für die Bearbeitungszeit in der Gruppenarbeit eine so enge zeitliche Vorgabe, dass ein mittlerer Zeitdruck entsteht. So müssen alle konzentriert arbeiten, um fertig zu werden.
  • Veranlassen Sie, dass jedes der Gruppenmitglieder eine Teamrolle übernimmt, z. B. als „Materialwart“, als „Protokollant“, als Zielwächer oder als Zeitwächter.

Erfahrungen reflektieren und bewerten
Schließen Sie eine Gruppenarbeit immer mit einer Reflexion ab:

  • Wie ist die Zusammenarbeit gelungen?
  • Hat jeder zum Arbeitsergebnis beigetragen?
  • War die Arbeit effizient?
  • Was sollte bei der nächsten Gruppenarbeit besser werden?

Bewerten Sie außerdem die Gruppenarbeit in 2-facher Weise: sowohl das Gesamtergebnis als auch die Leistung des einzelnen Schülers. So verliert Gruppenarbeit das Image der „Spielerei“ und wird von allen Ihren Schülern ernst genommen.
Fazit: Soziale Kompetenzen, die sich Ihre Schüler mit Hilfe kooperativer Lernformen aneignen, sind später für viele Formen des Zusammenlebens und -arbeitens bedeutsam.

Musterregeln: So gelingt das kooperative Lernen

  •  Führen Sie die Schüler schrittweise an das Zusammenarbeiten heran.
  •  Lassen Sie Regeln der Zusammenarbeit einüben.
  •  Begrenzen Sie die Zahl der Gruppenmitglieder auf 4.
  •  Entscheiden Sie sich bei der Stundenplanung für eine Art der Gruppenbildung.
  • Geben Sie im Rahmen des Arbeitsauftrags eine klare Zeitangabe vor, die einen mittleren Zeitdruck erzeugt.
  • Veranlassen Sie, dass in jeder Gruppe Teamrollen verteilt werden.
  • Lassen Sie nach der Gruppenarbeit die Zusammenarbeit reflektieren.
  • Stellen Sie die Zukunftsfrage: „Was wirst du bei der nächsten Gruppenarbeit noch besser machen?“

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