Wiedereingliederung – wer lange krank war, darf stufenweise zurückkommen

03.08.2017

Sicher haben Sie das in Ihrer Schulpraxis auch schon mehr als einmal erlebt: Eine Lehrkraft fällt immer wieder aus, bis sie schließlich für mehrere Wochen, manchmal Monate krank ist. Wie ein Wiedereinstieg langzeiterkrankter Kolleginnen und Kollegen rechtssicher gelingen kann, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Praxisbeispiel: Der 57-jährige Michael Lohmann unterrichtet Englisch und Mathematik an der Neustädter Hauptschule. Seit 27 Jahren ist er in derselben Schule tätig. Nach einem Zusammenbruch im März 2016 kurz vor den Osterferien wurde er zunächst 3 Monate stationär wegen seines Erschöpfungszustandes behandelt.

Seit 2 Monaten macht er eine ambulante Therapie und beabsichtigt, nach den Sommerferien wieder an die Schule zurückzukehren. Er ist mit Leib und Seele Lehrer und will seine Tätigkeit auch bis zu seiner Pensionierung ausüben. Zudem liegen ihm seine Schülerinnen und Schüler sehr am Herzen. Kurz vor den Sommerferien macht er deshalb einen Termin mit Schulleiter Paul Sorgsam, wie seine Rückkehr in den Schuldienst aussehen kann.

Rechtlicher Hintergrund

Grundsätzlich sind alle Arbeitgeber, so auch im Schuldienst, zur Durchführung eines Betrieblichen Eingliederungsmanagementverfahrens (BEM-Verfahren) verpflichtet. Dies ergibt sich aus §§ 81 ff. Sozialgesetzbuch (SGB) IX. Wer darüber hinaus an einer stufenweisen Wiedereingliederung teilnimmt, ist in der Regel weiterhin arbeitsunfähig. Es besteht aber die Möglichkeit, schrittweise die Aufnahme der Tätigkeit zu erproben (sogenannte stufenweise Wiedereingliederung).

Was bedeutet das für Sie?

Planen Sie eine Lehrkraft, die eine Wiedereingliederung nach dem Hamburger Modell durchführen soll, auf der Basis der Ihnen vorliegenden Unterlagen nach und nach in Ihren Unterrichtsbetrieb wieder ein. Beachten Sie nachfolgende Punkte.

Beachten Sie die ärztliche Empfehlung

Die Wiedereingliederung nach dem Hamburger Modell in den Schuldienst kann nur dann erfolgen, wenn eine entsprechende ärztliche Bescheinigung vorliegt. Eine solche wird Ihnen die betroffene Lehrkraft vorlegen, sodass Sie die erkrankte Lehrkraft schrittweise einplanen können. Die Empfehlung muss inhaltlich so gestaltet sein, dass Sie ihr exakt entnehmen können, wie viele Unterrichtsstunden in der Woche oder am Tag für den Betroffenen möglich sind.

Erarbeiten Sie einen Stufenplan mit der Lehrkraft

Da zu Beginn einer solchen Maßnahme nicht klar ist, wie belastbar die erkrankte Lehrkraft tatsächlich im Unterrichtsalltag ist, erfolgt die Wiedereingliederung stufenweise. Das bedeutet, dass der bislang arbeitsunfähig erkrankte Lehrer behutsam wieder an seine volle Arbeitsbelastung herangeführt wird. Wo wird eine Übergangsphase geschaffen, die dem erkrankten Kollegen die Übernahme des Schuldienstes erleichtern soll.

Mein Fazit: Wiedereingliederung ist eine gute Möglichkeit, erkrankte Lehrkräfte wieder an den Unterrichtsalltag zu gewöhnen. Wie ein solches Wiedereingliederungsverfahren aussieht, entnehmen Sie dieser Übersicht.

Verfahren „Wiedereingliederung nach Langzeiterkrankung“

  • Medizinische Empfehlung zur Wiedereingliederung
  • Erkrankte Lehrkraft, Arzt, Dienststelle und Schulleitung sind eingebunden.
  • Erarbeitung eines Stufenplans für einen bestimmten Zeitraum
  • Zustimmung aller Beteiligten zum Stufenplan
  • Einstieg mit wenigen Stunden, danach langsame Steigerung des Einsatzes in der Schule, z. B. zu Beginn 1 Stunde wöchentlich bis 4 Stunden wöchentlich nach Ablauf von 6 Wochen
  • Regelmäßige medizinische Kontrolle parallel zur stufenweisen Wiedereingliederung; anlassbezogene Anpassung des Stufenplans an die individuellen Erfordernisse der erkrankten Lehrkraft
  • Ende der Wiedereingliederung: entweder durch Erfolg des Stufenplans oder Abbruch wegen Erfolglosigkeit
  • Wiederaufnahme der Unterrichtstätigkeit in vollem Umfang oder mit herabgesetzter Stundenzahl

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