Wie Sie das Handyverbot an Ihrer Schule durchsetzen

11.05.2016

SMS im Minutentakt, Handy am Ohr, ob auf der Straße, im Schulbus oder in der Schule: Mobiltelefone und insbesondere Smartphones gehören heute
zur Grundausstattung bei Schülern. Allerdings bieten sie auch ein hohes Ablenkungspotenzial in der Schule. Wie Sie ein Handyverbot wirksam durchsetzen, erfahren Sie in diesem Beitrag

 

Praxisbeispiel: Die Klassenlehrer der Jahrgangsstufen 6, 7 und 8 wenden sich an Schulleiter Paul Sorgsam mit der Bitte, eine außerordentliche Lehrerkonferenz  einzuberufen. Grund ist die zunehmende Handynutzung in diesen Jahrgangsstufen auch während des Unterrichts. Die Klassenlehrer beklagen massive Ablenkungen durch heimliche SMS und Facebook-Posts im Unterricht. Sie sind der Meinung, dass eine freiwillige Selbstverpflichtung, Handys nicht zu benutzen, nicht ausreicht.

 

Rechtlicher Hintergrund zum Handyverbot an Schulen

Die Ausübung des Hausrechtes an Ihrer Schule obliegt grundsätzlich Ihnen als Schulleiter. Des Weiteren sind Sie als Schulleiter verpflichtet, für einen störungsfreien Unterrichts- und Schulalltag zu sorgen. Dies gilt sowohl im Verhältnis zu Ihren Schülern als auch gegenüber Ihrem Kollegium, das im Unterricht seiner Arbeitsleistung ungestört nachgehen können muss. In den meisten Bundesländern existieren zwischenzeitlich Schulordnungen mit der Möglichkeit, ein Handynutzungsverbot zu erlassen (z. B. §§ 95 ff. Schulordnung Rheinland-Pfalz).

 

RSS_2_final

Was bedeutet das Handyverbot für Sie als Schulleiter?

Werden Sie der Handynutzung an Ihrer Schule dadurch Herr, dass Sie ein klares Verbot aufstellen und dieses auch durchsetzen. Nehmen Sie ein Handyverbot in Ihre Schulordnung auf Freiwillige Selbstverpflichtungen, Handys nicht mit in die Schule zu nehmen oder sie nicht im Unterricht zu benutzen, sind oftmals wirkungslos. Aus diesem Grund sollten Sie ein Handyverbot ausdrücklich in die Schulordnung aufnehmen. Mit der Aufnahme
eines solchen Verbots in die Schulordnung schaffen Sie sich auch eine Rechtsgrundlage für Sanktionen.

 

Sie dürfen das Handy der Schüler wegnehmen

Eine erste erzieherische Maßnahme und wirksame Sanktion gegen den Verstoß der Handynutzung im Unterricht ist die zeitweilige Wegnahme des Handys. So sieht z. B. § 96 Abs. 1 Schulordnung Rheinland-Pfalz vor, dass die zeitweise Wegnahme von Gegenständen als erzieherische Maßnahme ausdrücklich in Betracht kommt.

 

Die Wegnahme des Handys muss verhältnismäßig sein

Achten Sie beim Entzug des Handys darauf, dass Ihre Maßnahme verhältnismäßig ist. Handelt es sich z. B. um einen erstmaligen Verstoß gegen Ihre Schulordnung oder gegen ein gesetzliches Handyverbot, dürfte der Entzug des Handys für einen Tag angemessen und ausreichend sein. Ist ein Schüler wiederholt aufgefallen, können Sie das Handy auch für mehrere Tage wegnehmen. Ein Dauerentzug ist unzulässig Eine dauerhafte Wegnahme des Handys, z. B. für den Rest des Schulhalbjahres, kommt nicht in Betracht. Sie machen sich sonst ggf. wegen eines Eigentumsdelikts strafbar. Auch bei mehrmaliger Zuwiderhandlung können Sie das Handy nicht dauerhaft oder nicht für einen längeren Zeitraum einziehen. Informieren Sie in jedem Fall die Eltern Oftmals wissen die Eltern gar nicht, dass ihre Kinder Handys im Unterricht benutzen. Allerdings können Sie davon ausgehen, dass allein schon wegen der Erreichbarkeit der Kinder die Eltern wissen, dass die Kinder ihre Mobiltelefone oder Smartphones mit in der Schule haben. Schreiben Sie deshalb die Eltern wegen einer Zuwiderhandlung an, und machen Sie sie auf die bestehende Rechtslage in Ihrer Schule aufmerksam. Fügen Sie dem Anschreiben die Schul- und Hausordnung
bei. Wie ein Schreiben an die Eltern aussehen kann, entnehmen Sie dem Muster in unserem Gratis Bereich.

 


Das sagen Ihre Kollegen:


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

Wann und wie Eltern gegen schlechte Noten Einspruch einlegen können

10. Mai 2016

Auch wenn es noch eine Weile dauert, bis die nächsten Zeugnisse und Abschlüsse erteilt werden, sollten Sie sich wappnen, falls Eltern sich gegen Zeugnisnoten wehren wollen. Die Inanspruchnahme des Rechtswegs... Bereiten Sie sich auf den Einspruch gegen schlechte Noten vor

Schülermobbing im Internet – Das können Sie als Schulleiter dagegen tun

15. Mai 2016

Probleme mit Beleidigungen im Internet sind bedauerlicherweise heute schon normal. Eigens dafür geschaffene Plattformen wie „isharegossip“ fördern die Lust am Lästern. Wie Sie als Schulleiter mit Internetmobbing unter... 7 Tipps gegen Schülermobbing

Aufsichtspflicht an der Bushaltestelle – Das müssen Sie beachten

9. Mai 2016

Es gehört zum Alltag des Schulbetriebs, dass Ihre Schüler nicht nur zu Fuß zur Schule kommen, sondern auch mit Bussen aus den umliegenden Dörfern und Bezirken fahren müssen, um in die Schule zu gelangen. Der Schulbus... Das sollten Sie zur Aufsichtspflicht an Bushaltestellen wissen




Verlag PROSchule

Service: +49 (0) 228-95 50 130
E-Mail: info@schulleiter.de

© 2017, VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft