Nicht mit auf Klassenfahrt? – So unterstützen Sie Eltern und Kind

01.04.2014

Auch an Ihrer Schule gibt es sicher Eltern, die nicht zu den amtlich definierten Geringverdienern gehören, jedoch finanziell so gestellt sind, dass die 5 € für den Bus beim Klassenausflug oder erst recht die 40 € für den Schullandheimaufenthalt eine wirkliche Belastung darstellen. Die Eltern lassen häufig das Kind nicht mitfahren. Es soll diese Zeit in einer anderen Klasse der Schule verbringen. – Schade, denn gerade solche Ausflüge und Fahrten sollen ja die Gemeinschaft fördern. Fehlt ein Kind, fehlen ihm auch die wichtigen Erlebnisse, die die Klassen als Gemeinschaft zusammenschweißen.
Alternative Möglichkeiten der Finanzierung
Zeigen Sie deshalb Eltern mit einem knappen Budget weitere Möglichkeiten der finanziellen Unterstützung für die Klassenfahrt auf:

  •  Elternbeirat
  • Förderverein der Schule
  • Stadtverwaltung / Rathaus

Verständlicherweise müssen die Eltern dabei Angaben über ihre Einkommensverhältnisse machen. Geben Sie deshalb aus Datenschutzgründen Anträge zwar aus, doch veranlassen Sie, dass die Eltern den ausgefüllten Antrag direkt bei der zuständigen Stelle abgeben. Ermuntern Sie Eltern in der Sprechstunde, diesen Schritt zu tun. Tragen Sie dazu bei, dass Eltern ihre Scham überwinden, indem Sie mit dem Gewinn für das Kind argumentieren.
Mit Zielsparen zum vollen Betrag
Bedenken Sie bei der Planung einer Klassenfahrt die finanzielle Belastung für die Eltern immer mit. Soll es beispielsweise eine größere und damit kostspieligere Klassenfahrt werden, z. B. eine Abschlussfahrt ins Ausland, regen Sie am besten einen langfristigen Sparplan an. Geben Sie das Vorhaben bei Schülern und Eltern bereits ein halbes bis ein Jahr vor Antritt bekannt. Legen Sie ein Konto für die Teilnahmekosten an. Jede Familie zahlt monatlich einen vereinbarten Betrag ein, z. B. 5 oder 10 €. So kommt bis zum Fahrtbeginn der Gesamtbetrag fast unmerklich zusammen und reißt nicht plötzlich ein Loch in die Haushaltskasse.
Thematisieren Sie Ihren Schülern gegenüber auch den positiven Nebeneffekt: Die Schüler erleben damit ein Stück Erziehung zu wirtschaftlichem Handeln. Auf ein Ziel hin zu sparen zeigt, dass es auch anders geht, als auf Pump zu kaufen, wie es die Werbung ununterbrochen suggeriert.

Kostengünstiges Ziel wählen
Genau genommen haben Sie als Organisator es in der Hand, ob die Eltern sich die Klassenfahrt leisten können: Denn Sie wählen den Zielort, die Unterbringung, die Dauer des Aufenthalts und die Entfernung und damit auch die Reisekosten. Haben Sie Kinder aus einem Einzugsgebiet mit vielen Eltern, die eher zu Geringverdienern zählen, würden Sie mit einer teuren Fahrt die Absagen geradezu herausfordern. Passen Sie die Preisklasse der Unternehmung also der Elternschaft an. Klassengemeinschaft lässt sich auch an weniger weit entfernten Orten in weniger luxuriösen Jugendhäusern fördern.
Muslime überzeugen
Doch nicht immer ist das Geld ausschlaggebend, wenn die Eltern entscheiden, ihr Kind nicht mit in ein Schullandheim oder in eine Jugendherberge fahren zu lassen. Muslimische Eltern haben oftmals Vorbehalte, vor allem ihre Töchter auf Klassenfahrten mitzuschicken. Gehen Sie am vorbereitenden Elternabend vor allem auf diese Eltern ein:

  • Zeigen Sie Verständnis dafür, dass im Islam die Welten zwischen privat und öffentlich viel klarer differenziert sind, als dies in der deutschen Schule der Fall ist.
  • Klären Sie, dass eine Klassenfahrt keineswegs als Eingriff in den privaten Bereich der Familie gedacht ist.
  • Zeigen Sie, auf welche Weise Sie während der Klassenfahrt die Wertvorstellungen der Eltern berücksichtigen, z. B. in Bezug auf das Zusammensein von Jungen und Mädchen vor allem im Jugendalter.
  • Stellen Sie den pädagogischen Wert der Klassenfahrt als Bestandteil des Unterrichts in den Vordergrund. Greifen Sie auch zu unkonventionellen Lösungen. Bitten Sie beispielsweise einen muslimischen Elternteil, als Begleitperson mitzufahren. Dies stärkt das Vertrauen der Eltern.

 
Praxistipp: Vermeiden Sie Korrekturen nach oben Erstellen Sie bereits für den ersten Informationsabend oder -brief an die Eltern eine realistische Kalkulation. Beziehen Sie wirklich alle Kosten ein, einschließlich eines Pauschalbetrags für Taschengeld. So ersparen Sie sich unnötigen Ärger, wenn Sie kurz vor Fahrtantritt noch einmal nachfordern müssen.


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