Lesezeit: So werden Eltern zu Lesepaten

16.01.2015

„Wie lässt sich die Leseförderung an unserer Schule intensivieren?“, fragen Lehrer der Schuleingangsstufe, wenn sie im Lauf des ersten Schulhalbjahres beobachten, dass die Schere zwischen guten und langsam lernenden Lesern auseinanderklafft. – Wenn alle Lehrer-Ressourcen ausgeschöpft sind, beziehen Sie die Eltern als Lesepaten ein.

 

Lesepaten finden

Sprechen Sie den Einsatz von Lesepaten mit dem Elternbeirat ab. Gehen Sie beim Finden der Lesepaten sensibel vor. Beispielsweise kann der Elternbeirat geeignete Personen empfehlen. Als Lesepaten kommt folgender Personenkreis in Frage:

  • Eltern und Großeltern von Schülern oder ehemaligen Schülern
  •  Nachbarn der Schule
  • Senioren
  •  Interessierte

Die richtige Einsatzform auswählen

Meist kommt ein Lesepate 1- bis 3-mal die Woche in die Schule. In der Zeit, in der die Klasse eine Lesestunde hat, gibt er einigen Schülern in einem separaten Raum individuelle Hilfestellung. Eine weitere Einsatzform bietet die Ganztagsschule: Der Lesepate betreut offene Lesephasen, z. B. während der Mittagspause.

 

Die Lesepaten auf ihre Aufgabe vorbereiten

Führen Sie Eltern, die sich als Lesepaten zur Verfügung stellen, systematisch in die Leseförderung ein:

  •  In einem Einführungskurs, z. B. an 3 Vormittagen zu je 90 Minuten, erhalten die Paten Informationen über den Leselernprozess. Zeigen Sie auch Formen auf, wie sie das Lesenlernen unterstützen können. Damit qualifizieren Sie die Paten für diese anspruchsvolle Aufgabe und erhöhen die Erfolgswahrscheinlichkeit.
  •  Im Anschluss an diesen Einführungskurs hospitieren die Paten bei der Lehrkraft, der sie zugeordnet sind, in mindestens 2 Lesestunden.
  •  In 3 Übungsstunden erproben die Paten die Leseförderung. Anschließend reflektieren sie diese zusammen mit der Klassenlehrkraft.

Auch weiterhin erhalten die Paten die Möglichkeit, sich mit der Klassenlehrkraft über die Förderung auszutauschen. Führen Sie dazu eine monatliche Gesprächsrunde zwischen Lesepaten und Lehrern ein.

 

Mit dem Lesepaten gut zusammenarbeiten

Trotz einer guten Vorbereitung brauchen die Lesepaten kontinuierliche Unterstützung. Wählen Sie den Lesestoff aus und bereiten Sie ihn bei Bedarf didaktisch auf. Übertragen Sie nur solche Aufgaben, die die Lesepaten ohne großen Krafteinsatz bewältigen können. Lassen Sie die schwierigen pädagogischen Aufgaben in der Hand des Lehrers. Klassenlehrkraft und Lesepate müssen sich genau absprechen, was die Aufgabe des Lesepaten ist, z. B. Vorlesen oder beim Übungslesen des Kindes zuhören oder es anleiten. Klären Sie auch, wie man mit fehlerhaftem Lesen umgeht.

 

Für rechtliche Klarheit sorgen

Informieren Sie sich über die rechtlichen Bedingungen des Lesepaten-Einsatzes:

  • Möchten Sie an Ihrer Schule Lesepaten einsetzen, muss dies von der Schulleitung genehmigt sein.
  • Je nach Schulgesetz des Bundeslandes bedarf der Einsatz von Eltern in einer Klasse der Zustimmung der Klassenpflegschaft bzw. des Klassenelternrats oder aller Eltern.
  • Sie delegieren für die Zeit des Einsatzes die Aufsicht an den Lesepaten. Die letztendliche Verantwortung bleibt aber bei Ihnen.
  • Aktive Eltern, so auch die Lesepaten, sind für die Zeitdauer ihres Einsatzes und auf dem Weg gesetzlich unfallversichert.
  • Mit den Beobachtungen im Klassenzimmer muss besonders vertrauensvoll umgegangen werden. Wie für Lehrer gilt für Lesepaten die Verschwiegenheitspflicht.

Eine schriftliche Vereinbarung treffen

Unterstreichen Sie mit einer schriftlichen Vereinbarung zwischen der Schule und dem Lesepaten die Verbindlichkeit der Zusammenarbeit. Nehmen Sie darin die Verpflichtung zur Verschwiegenheit auf. Regeln Sie auch das Procedere des Einsatzes. Eingegangene Vereinbarungen müssen verlässlich eingehalten werden. Beispielsweise meldet sich der Lesepate einen Tag vorher ab, wenn er verhindert ist. Auch die Schule benachrichtigt den Paten, wenn z. B. wegen einer Schulveranstaltung sein Einsatz ausfällt.

 

Fazit: Mit dem Einsatz des Lesepaten sorgen Sie bei Ihren Schülern für Erfolgserlebnisse und Freude am Lesen und halten die Lesemotivation aufrecht. Damit begegnen Sie Lernschwierigkeiten frühzeitig und verhindern Demotivation durch Frustration. Darüber hinaus stärkt das Lesepaten-Projekt die Kooperation Schule – Eltern. Vergessen Sie nicht, den Lesepaten bei passender Gelegenheit Ihre Anerkennung auszusprechen.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

So stärken Sie das Vertrauen der Eltern mit einem Elterncafé

22. November 2017

Wenn sich die Eltern nicht um ihr Kind kümmern – wie sollen wir in der Schule dies schaffen?“ Aus diesen Wor­ten einer Lehrkraft hört man Verärgerung und Enttäuschung heraus. Doch meist richten sich diese Vorwürfe an... So stärken Sie das Vertrauen der Eltern mit einem Elterncafé

Wer sein Kind zur Schule fährt, kann das nicht steuerlich absetzen

7. November 2014

Zu den Kosten der Schulausbildung gehören auch Fahrtaufwendungen.  Der Fall Die Kläger haben einen Wohnsitz ohne Anbindungen an das öffentliche Nahverkehrsnetz. Aus diesem Grund wurden die Kinder mit dem Auto zur Schule... Mehr erfahren

Eine Projektwoche – reich durch Elternangebote

9. November 2017

„So viele tolle Projekte hätten wir ohne die Eltern nie geschafft“, hören Sie von Ihren Kollegen, wenn Sie eine Projektwoche gestalten, in der die Eltern nicht nur für den Kuchenverkauf zuständig sind, sondern auch... So organisieren Sie mit Hilfe der Eltern eine tolle Projektwoche




Verlag PROSchule

Service: +49 (0) 228-95 50 130
E-Mail: info@schulleiter.de

© 2017, VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft